Eine Studie zur Wirtschaft kann auch städtebauliche Perspektiven öffnen. Beispiel Hyparschale. Die leer stehende Halle am Stadtpark ist einer der vier Standorte, die in der Untersuchung zur Kultur- und Kreativwirtschaft bewertet wurden.

Werder l Die Hyparschale im Stadtpark steht seit Jahren leer, und mehrere Ideen sind bereits zur Wiederbelebung des markanten Gebäudes aus dem Jahr 1969 diskutiert worden. Als Standort für die Wirtschaft bringt die neue Studie zur Kultur- und Kreativwirtschaft, die die Bereiche vom Industriedesign über die Film- und Werbewirtschaft bis hin zur Softwareprogrammierung umfasst und über die die Volksstimme bereits berichtete, diesen Standort auf dem Werder ins Gespräch. In seiner Arbeit für das städtische Wirtschaftsdezernat hat das Büro für Kulturwirtschaftsforschung Köln die Hyparschale als einen von vier Standorten untersucht.

Anlass, gerade dieses Gebäude genauer in die Betrachtungen einzubeziehen, sei eine Initiative aus dem Verein Kreativwirtschaft Sachsen-Anhalt (KWSA) gewesen. Die Autoren der neuen Studie haben für ihre Arbeit das Konzept des Vereins ausgewertet. Die Hyparschale könnte demnach als Kreativzentrum mit "flexibel strukturierbaren Bürobereichen und Gemeinschaftsflächen auf mehreren Etagen" entwickelt werden. Der Charme dieser Idee: Die benachbarte und ebenfalls nicht mehr genutzte Messehalle könnte ebenfalls mit neuem Leben gefüllt werden. Hier könnten Mieter Werkstatt-, Studio- und Lagerflächen einrichten.

Für das Konzept sind Unternehmen befragt worden. Diese haben eine ganze Reihe von positiven Effekten aufgezählt, die mit einer Nutzung der Hyparschale als Zentrum für kreative Unternehmen eine Rolle spielen könnten: Mit der räumlichen Nähe könnten so selbstständige Einzelunternehmer ihre Kooperation intensivieren und damit auch professionalisieren. Zudem wäre der Weg nicht weit zu Lager-, Werkstatt-, und Studioflächen. Und auch die gemeinsame Nutzung von Besprechungs- und Tagungsräumen könnte sich vorteilhaft auswirken. Mit einem großen Kreativzentrum bestünde zudem die Möglichkeit für Jungunternehmer, die beispielsweise als Absolventen der Universität oder der Hochschule ihr Geschäft aufnehmen, kleinste Flächen anzumieten.

In einer Umfrage unter Unternehmen der Magdeburger Kultur- und Kreativwirtschaft im Frühjahr haben konkret 17 Unternehmen Interesse an Büro-, Werkstatt-, Studio-, Konferenz- und Lagerflächen in der Hyparschale bekundet. Was lockt, ist dabei nicht zuletzt die unmittelbare Nähe zum MDR-Landesfunkhaus. Als Vorteil genannt wurde eine in diesem Bereich abgesicherte Breitbandverbindung.

Kritiker der Hyparschale als Standort für ein Kreativzentrum gibt es allerdings auch - und in der Studie zur Kultur- und Kreativwirtschaft werden auch ihre Argumente aufgelistet. So sei die Lage außerhalb des unmittelbaren Stadtzentrums nicht geeignet, um die Sichtbarkeit der neuen Branche nach außen hin wirklich zu erhöhen. Immerhin ist auch dies eines der Ziele, die sich die Stadtverwaltung im Rahmen ihrer Unterstützung für den in den vergangenen Jahren neu entstandenen Wirtschaftsbereich ins Auge gefasst hat.

Ein Pluspunkt gegenüber vielen anderen Varianten einer Revitalisierung der Hyparschale: Die Kommune könnte für ein Gründerzentrum aus der Infrastrukturförderung Zuschüsse beantragen. Für die Höhe des Fördersatzes sei das Landesinteresse ausschlaggebend. Der Satz liege zwischen 60 und 80 Prozent. Die Autoren der Studie konstatieren: "Hier besteht beachtliches Entwicklungspotenzial. Neue und erweiterte Kooperationen sind am Standort Hyparschale denkbar, die wirtschaftliche Synergieeffekte nutzen, bis hin zu Bietergemeinschaften."

Dass die Hyparschale den Magdeburgern am Herzen liegt, beweist neben dem Interesse der Kreativwirtschaftler des Landes auch die Magdeburger Bürgerschaft: Erst in diesem Jahr hatte sich eine Initiative zum Erhalt des Gebäudes formiert.