Von Laura Reinke

Magdeburg l Jedes siebte Kind in Deutschland lebt bei suchtkranken Eltern. Das sind mehr als 2,6 Millionen Kinder. "In Sachsen-Anhalt muss man somit von mindestens 42000 betroffenen Kindern und Jugendlichen ausgehen", sagte Helga Meeßen-Hühne von der Landesstelle für Suchtfragen im Land Sachsen-Anhalt.

Suchtkranke Eltern bedeutet, dass ein oder beide Elternteile alkohol- oder drogenabhängig sind. Dazu gehören außerdem Mütter, die während der Schwangerschaft regelmäßig getrunken, geraucht oder Drogen konsumiert haben.

"Alkohol während der Schwangerschaft ist die häufigste vermeidbare Ursache für Behinderungen des Kindes", sagt Prof. Spohr vom Zentrum für Menschen mit angeborenen Alkoholschäden an der Charité Berlin. Er ist einer der Experten, die auf einer Fachtagung in Magdeburg zum Thema "Entwicklungschancen für Kinder mit fetalem Alkoholsyndrom" diskutierten.

Diagnose-Leitlinie soll helfen

Alkoholspektrum-Störungen (FASD) sind mit dem Down-Syndrom die häufigste angeborene Behinderung. Die Dunkelziffer bei FASD sei laut Spohr sehr hoch. "Weil es häufig schwer ist, die Fälle eindeutig zu diagnostizieren", sagt er.

Um die Diagnose zu erleichtern, gibt es seit kurzem eine Leitlinie für Ärzte. Das sei laut den Experten ein Fortschritt: Wenn FASD diagnostizierbar sind, könne man Betroffene frühstmöglich fördern. Dafür sei es wichtig, dass sich Ärzte, Psychiater und Eltern zusammentun. Viele der betroffenen Kinder landen bei Pflegeeltern.

Unter FASD leidende Kinder sind ihr Leben lang verhaltensauffällig. Vom Säuglingsalter an entwickeln sie sich langsamer, ihre Intelligenz ist oft vermindert. Ein Großteil der Betroffenen kann im Erwachsenenalter nicht selbstständig leben und braucht Betreuung. Selten kommt es zu Herzfehlern oder körperlichen Missbildungen.