Halle (dpa) l Unachtsamkeit, Unwissenheit und Schlamperei führen in Sachsen-Anhalt immer wieder zu tödlichen Arbeitsunfällen. Diese könnten aber vermieden werden, wenn alle Vorschriften am Arbeitsplatz eingehalten werden, wie das Landesamt für Verbraucherschutz am Mittwoch in Halle mitteilte. So kamen in diesem Jahr bereits acht Menschen bei Arbeitsunfällen ums Leben, 2012 waren es 13 Menschen (2011: 13).

Darunter waren drei Arbeiter, die zur gleichen Zeit bei Sandstrahlarbeiten in den Stickstoffwerken Piesteritz (Landkreis Wittenberg) ums Leben kamen. Die Männer seien aufgrund von Sauerstoffmangel in der Atemluft erstickt. "Es wurden keine toxischen Schadstoffe in der Lunge festgestellt", sagte der Leiter des Fachbereichs Arbeitsschutz beim Landesamt, Günter Laux, zu den bisher vorliegenden Erkenntnissen. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zur Ursache dieses tödlichen Arbeitsunfalls liefen aber noch.

"Wir müssen Unternehmern sagen, was zulässig ist und was nicht." - Günter Laux, Arbeitsschutz

"Wir müssen noch mehr mit Unternehmern reden und auch ihren Leuten sagen, was zulässig ist oder was nicht", sagte Laux. Arbeitsschutz betreffe viele Bereiche. So gehe das Landesamt auch Hinweisen bei Verstößen gegen das Arbeitszeitgesetz nach, etwa ob viel länger als erlaubt und womöglich auch ohne Pausen gearbeitet wird - ob auf der Baustelle oder im Pflegeheim.

Den Verantwortlichen für die Missstände drohten dann zum Beispiel Bußgelder oder ein Vermerk im Gewerbezentralregister. "Das tut schon weh, denn dort braucht man eine weiße Weste", sagte der Präsident des Landesamtes, Bernhard Räbel. Die Behörde beschäftige sich zum Schutz der Verbraucher mit nahezu allen Bereichen des Lebens. Dazu gehören Hygiene-, Lebensmittel- und Tierhaltungskontrollen, meldepflichtige Krankheiten wie Tuberkulosefälle, die Qualität von Badegewässern bis hin zum Artenschutz. Zum Landesamt gehören laut Räbel rund 480 Mitarbeiter.

"Im Haushalt gibt es immer wieder tragische Unfälle." - Günter Laux, Arbeitsschutz

In Sachsen-Anhalt wurden 2012 laut dem Jahresbericht der Behörde rund 6200 Betriebsstätten durch die Gewerbeaufsicht kontrolliert, rund 15.200 Mal gab es etwas zu beanstanden. Bei Kontrollen von mehr als 3000 Baustellen musste aufgrund gravierender Mängel in 28 Fällen die Arbeit ruhen.

Im Haushalt komme es auch immer wieder zu tragischen Unfällen, sagte Laux. So starb ein Mann in Eisleben (Landkreis Mansfeld-Südharz) 2012 vor den Augen seiner Kinder im Garten durch einen Stromschlag im Teich - weil die Isolierung der Pumpe defekt war, die elektrische Installation noch aus DDR-Zeiten stammte und ein Schutzschalter fehlte, wie sich herausstellte.