Magdeburg l Helton Köcher, Betriebswirt beim Berufsförderungswerk Sachsen-Anhalt, wollte kürzlich einen 500-Euro-Schein "klein machen", um beim Uhrmacher eine 30-Euro-Rechnung bezahlen zu können. Dass dies nicht beim Uhrmacher, im Supermarkt oder an der Tankstelle so ohne weiteres geht, war ihm schon klar. Deshalb versuchte es Köcher in der Sparkassen-Filiale gleich neben dem Uhrmacher. Doch die nette Dame schüttelte den Kopf. "Weil die Sparkasse nicht meine Hausbank ist, wollte sie mir den Schein nicht wechseln", erzählt Köcher.

Kein Glück in drei Filialen auf einer Straße

Also geht der Mann auf der Halberstädter Straße in Magdeburg zu seiner Hausbank, der Commerzbank. Auch dort hat er kein Glück. "Da gibt es keine Kasse mehr sondern nur noch Automaten. Und da standen etwa 15 Kunden und ein Mechaniker vor einem aufgeklappten Automaten."

Köcher wechselt die Straßenseite und geht zur Volksbank. "Sind Sie Kunde bei uns?", fragt die Dame am Schalter. Auch hier bekommt Helton Köcher seinen 500-Euro-Schein nicht gewechselt. "Aber das ist doch ein gesetzliches Zahlungsmittel. Wie kann das sein?", fragt sich der Betriebswirt.

Und die Volksstimme reichte diese Frage an Mathias Geraldy weiter, Sprecher der Magdeburger Stadtsparkasse. "Wechselbeträge werden bei Nichtkunden auf 100 Euro beschränkt. Diese Begrenzung dient der Vorbeugung gegen strafbare Handlungen wie Geldwäsche oder auch Geldwechselbetrug", sagt Geraldy. Damit habe es in den vergangenen Jahren bundesweit Probleme gegeben. Vor allem der große 500-Euro-Schein geriet als Zahlungsmittel zur Abwicklung von illegalen Geschäften in Verruf.

Den rechtlichen Hintergrund dieser Bargeld-Wechselpraxis liefern Sicherheitsempfehlungen im deutschen Kreditwesengesetz, an denen sich Banken und Sparkassen orientieren. Geraldy: "Hauskunden bekommen in der Regel den 500-Euro-Schein auch gegen kleinere Scheine bar an der Kasse getauscht. Nichtkunden müssen Ein- und Auszahlungen von größeren Beträgen als 100 Euro über ein Konto abwickeln."

Das heißt, der 500-Euro-Schein hätte am Schalter eingezahlt und - in kleineren Scheinen - am Automaten wieder abgehoben werden müssen. Was allerdings je nach Geldinstitut mit Gebühren verbunden gewesen wäre. So bezahlt der Kunde bei Abhebungen an "fremden" Geldautomaten in der Regel mehrere Euro.

Helton Köcher ist mit seinem Problem kein Einzelfall. Medien haben sich schon häufiger mit dem großen "Lilanen" beschäftigt. Die "Bergedorfer Zeitung" in Niedersachsen berichtete vor zwei Jahren über Pfarrer Eberhard Guttmann aus Geesthacht. Der hatte den 500er als Spende bekommen und versuchte ebenfalls vergeblich, ihn bei Banken und Sparkassen in der Fußgängerzone von Geesthacht zu wechseln.

Amüsant war auch ein gelungener Versuch des TV-Senders RTL, die kriminelle "Energie" des 500er nachzuweisen. Das Institut für Biomedizinische und Pharmazeutische Forschung in Heroldsberg hatte im Auftrag des Fernsehsenders zwanzig 500-Euro-Banknoten im Labor auf Rückstände von Rauschgift getestet. Ergebnis: Alle Scheine enthielten Spuren von Kokain, drei sogar in hoher Konzentration.

Der 500-Euro-Schein ist bei Ganoven beliebt. Er hinterlässt vielleicht "Schnee-Spuren", aber keine Spuren im elektronischen Zahlungsverkehr. Günstig ist auch: Zehn Millionen Euro in 500er Scheinen passen in einen Kleintresor, der nur 45 Zentimeter hoch ist.

Ökonomen fordern Abschaffung der 500er

Viele Ökonomen fordern die Abschaffung der 500er, weil der Schein praktisch nur für Kriminelle interessant ist. So hatten sich 2013 die Anti-Korruptionsorganisation Transparency International und der Bund der Steuerzahler entsprechend ausgesprochen. Einer Studie der Europäische Zentralbank (EZB) aus dem Vorjahr zufolge werden nur 30 Prozent der 500-Euro-Scheine tatsächlich als Zahlungsmittel benutzt. Trotzdem hat die EZB bislang Forderungen nach seiner Abschaffung eine Abfuhr erteilt. Die Süddeutsche Zeitung zitierte erst in der vergangenen Woche EZB-Direktor Yves Mersch. "Natürlich werden die 500-Euro-Scheine auch von unlauteren Gesellen genutzt", sagte er dem Blatt. Es bringe aber nichts, die 500er abzuschaffen, weil "dann nur die Geldkoffer größer werden".

Die Europäer - und Helton Köcher - werden also weiter mit dem 500-Euro-Schein leben müssen. Bargeld, was als Bargeld eigentlich nicht taugt. Woher hat er ihn eigentlich, den 500er? Köcher: "Wir wollten Handwerker mit 2000 Euro in bar bezahlen, weshalb meine Frau das Geld bei der Sparkasse - ihrer Hausbank - abgehoben hat." Doch die Handwerker wollten lieber eine Überweisung auf das Firmenkonto.

Zwei der vier 500er hat die Ehefrau bei ihrer Sparkasse inzwischen wieder "verkleinern" können. Den "Rest" hat er noch.