Calbe l Vor dem Hauseingang der Familie Xhafaj in Calbe (Salzlandkreis) versammelten sich am Montagmorgen mehr als 20 Demonstranten. Die Abschiebung der vierköpfigen Familie zurück in ihr Heimatland Albanien sollte so gestoppt werden. Als die Polizeibeamten und Mitarbeiter der Ausländerbehörde im Salzlandkreis am Montagfrüh bereits bei der Ankunft die Demonstranten sehen, entscheiden sie sich aus der Ferne, die Abschiebung auszusetzen. Das bestätigte eine Sprecherin der Polizei.

Bereits am vergangenen Mittwoch hatten Demonstranten in Magdeburg die Abschiebung eines 21-Jährigen aus Eritrea vorläufig verhindert. Kritik kam dazu von Innenminister Holger Stahlknecht (CDU): Geltendes Recht müsse umgesetzt werden.

Laut einer aktuellen Pressemitteilung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge haben die Asylanträge von Bewerbern aus dem Westbalkan "praktisch keine Chance auf Erfolg". Denn: Eine systematische Verfolgung gibt es in diesen Staaten nicht. Dem Bundesamt zufolge ist vor allem die schlechte wirtschaftliche und soziale Lage Auslöser für die steigende Zahl der Asylsuchenden aus Albanien.

Avni Xhafaj lebt seit einem Jahr mit seiner Frau Jasmina und seinen Töchtern Melvina und Noemi, zehn Monate und drei Jahre alt, in Calbe. Jasmina Xhafai erwartet gerade das dritte Kind. Die Albanerin ist im siebten Monat schwanger.

Einer der Organisatoren der Blockade vor der Haustür der albanischen Familie ist Robert Fietzke: "Das ist ein dramatischer Fall. Weder darf die Familie getrennt, noch die Frau mit einer Risiko-Schwangerschaft ins Flugzeug gesetzt werden." Die Plätze für die Familie Xhafaj im Flieger Richtung Albanien blieben leer. Teure Sitzplätze. "Die Kosten für die gebuchten Flüge werden nicht zurückerstattet", erklärt Alexandra Koch, Sprecherin des Salzlandkreises. In der Kreisverwaltung hat man gestern den Vermittlungsvorschlag der Integrationshilfe Sachsen-Anhalt angenommen. Bei dem gemeinnützigen Verein setzt man auf den Dialog.

Vorstandsmitglied Jan Braune: "Als unabhängige Organisation werden wir jetzt den Fall der Familie komplett neu aufrollen und dem Kreis einen Vorschlag unterbreiten." Den Kontakt mit der Familie hätte sich auch Sven Hause, Bürgermeister von Calbe, viel früher gewünscht. "Wir haben von dieser Aktion nichts gewusst und keiner kannte die Familie." Das Netzwerk an Integrationsangeboten hätten die Betroffenen im Vorfeld nutzen sollen. An der Blockade hat sich Hause zufolge keiner der ehrenamtlichen Calbenser, die sich für Asylbewerber stark machen, beteiligt. Hause: "Wir akzeptieren die Gesetzmäßigkeiten."