Quedlinburg l Letztlich war das Bild eindeutig: Das Gros der schätzungsweise gut 500 Quedlinburger, die am Mittwochabend der Einladung zur Bürgerversammlung mit Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) gefolgt waren, wollen den Menschen, die ab Mitte September in ihrer Stadt untergebracht werden, hilfsbereit entgegentreten. Mehr noch: Sie sehen darin auch eine Chance, den Ruf Quedlinburgs als weltoffene und bunte Stadt in die Welt zu tragen.

Halberstadt ist überlastet

Stahlknecht war auf Einladung von Oberbürgermeister Frank Ruch (CDU) gekommen, um die Pläne, in Quedlinburg zeitlich befristet eine Außenstelle der Zentralen Anlaufstelle in Halberstadt (ZASt) einzurichten, vorzustellen. Da die ZASt völlig überfüllt ist, hatte Stahlknecht die Stadt um Unterstützung gebeten. Konkret geht es um Liegenschaften der landeseigenen früheren Fachschule für Gartenbau, die leer steht. OB Frank Ruch steht dem Wunsch offen gegenüber und weiß die Stadtratsfraktionen hinter sich. Ruch drängt zugleich jedoch auf absolute Transparenz gegenüber den Bürgern.

Die waren der Einladung offenkundig nicht nur gefolgt, um konkrete Fragen loszuwerden, sondern um auch klar gegen rechte Gedanken und Hass Flagge zu zeigen. Als die Stimmung im überfüllten Saal kurz zu kippen drohte, war es nicht nur der Moderation von Stahlknecht und Ruch zu verdanken, dass der faire Umgang miteinander die Oberhand behielt. Auch die breite Masse im Saal zeigte den meist von weither Zugereisten im Saal, was sie von rechten Parolen, schrägen Vergleichen und dumpfer Hetze hält: nichts.

Fast ausschließlich Syrer

Stahlknecht hatte eingangs die Situation in der überfüllten ZASt dargestellt. Um die Lage vor dem Winter zu entspannen, sollen zunächst bis Mitte September 157 Plätze in Quedlinburg eingerichtet werden. Anschließend folgen bis November weitere 100. Stahlknecht versprach zugleich, dass es sich bei den 260 Menschen "fast ausschließlich um syrische Flüchtlinge" handeln werde. Nach etwa drei bis vier Wochen in der ZAst-Außenstelle sollen sie auf die Kommunen im Land aufgeteilt werden.

Viele Quedlinburger wollen bei der Betreuung helfen und sich einbringen, wurde deutlich. Eine Frau erinnerte, dass Quedlinburg eine Stadt ohne Rassismus und mit Zivilcourage sei - "wir haben die Chance, das wieder zu beleben".

Stahlknecht zeigte sich nach der Veranstaltung positiv überrascht über die konstruktiven Ideen: "Das war eine tolle Werbung - nicht nur für Quedlinburg, sondern auch für unser Land." Solche Runden seien gut geeignet, um in der Bevölkerung für Verständnis zu werben.