Wittenberg (dpa). Das Gesicht des Reformators Philipp Melanchthon (1497-1560) ist auf einem 1945 zerstörten Gemälde von Experten rekonstruiert worden. "Wir rechnen damit, dass das Bild im Frühjahr 2012, rechtzeitig zur Eröffnung des Melanchthon-Hauses, hier ist", sagte ein Sprecher der Stiftung Luthergedenkstätten gestern in Wittenberg.

Das lebensgroße Bild des Gelehrten, der als Wegbegleiter von Martin Luther (1483-1546) in die Geschichte einging, wird seit 2009 an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden restauriert. Melanchthons Wohnhaus in Wittenberg gehört wie die Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt zum Unesco-Welterbe.

Das Melanchthonhaus wird seit August 2010 saniert und rekonstruiert. Das Museum bekommt zudem einen Erweiterungsbau. "Das Bild wird in der neuen Dauerausstellung einen eigenen Raum bekommen. Es soll somit auch die spannende Geschichte um das Gemälde und die Rekonstruktion eines Gesichts erzählt werden", sagte der Sprecher. Die Kosten für die Restaurierung des Porträts in Höhe von rund 40 000 Euro werden den Angaben zufolge zu mehr als 50 Prozent von einem privaten Spender übernommen. Zudem beteiligen sich die Stiftung Luthergedenkstätten und die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) daran.

Das Werk stammt aus dem 16. Jahrhundert und wird Lucas Cranach dem Jüngeren (1515-1586) zugeschrieben. Es wurde am Ende des Zweiten Weltkrieges mutwillig beschädigt, vor allem im Bereich des Gesichts. Experten von der Hochschule der Künste in Dresden wurden beauftragt, das Bild mithilfe historischer Fotoaufnahmen wieder herstellen.

Das Original befand sich laut Stiftung ursprünglich zusammen mit einem lebensgroßen Porträt Luthers im Besitz der Universität Wittenberg. Etwa seit 1843 wurde das Melanchthonbild in der ersten Etage des Lutherhauses ausgestellt, 1883 bis 1945 hing es zusammen mit dem Lutherporträt im großen Hörsaal. Vermutlich im Mai 1945 wurden mehrere der Bilder zerstört.