Magdeburg (fo). Sollen gleichgeschlechtliche Paare ein Kind adoptieren dürfen? Diese Frage sorgt nach wie vor für Zündstoff, wenn es darum geht, die Lebenspartnerschaft mit der Ehe gleichzustellen. Zwar bleibt die Adoption eines fremden Kindes gleichgeschlechtlichen Paaren nach wie vor verwehrt, dennoch dürfen seit dem 1. Januar 2005 die leiblichen Kinder des Partners adoptiert werden. Bei dem sogenannten "kleinen Sorgerecht" muss der biologische Elternteil allerdings seine Zustimmung geben. Ebenso dürfen eingetragene Lebenspartner Pflegekinder aufnehmen. Frauenpaare können sich über einen Umweg ins Ausland mit Hilfe der künstlichen Befruchtung ihren Kinderwunsch erfüllen.

Derzeit wird davon ausgegangen, dass mehr als 16 000 Kinder in gleichgeschlechtlichen Beziehungen aufwachsen. Meist sind es lesbische Paare, die Kinder großziehen.

Während in anderen europäischen Ländern wie Spanien, den Niederlanden oder Belgien homosexuelle Paare Kinder adoptieren dürfen, gibt es hierzulande zum Teil heftige Gegenstimmen. So argumentiert das Deutsche Institut für Jugend und Gesellschaft, welche sich als christliche Forschungseinrichtung versteht, dass eine männliche und eine weibliche Bezugsperson für eine gesunde Identitätsbildung unabdinglich seien. Die Einrichtung mit Sitz in Reichelsheim lehnt die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften ab und vertritt die Ansicht, dass Homosexualität eine Neigung sei und keine Identität.

Für ein Adoptivkind wäre es eine Zumutung, ihm vorsätzlich einen Vater oder eine Mutter zu verwehren. Kinder mit zwei Vätern oder zwei Müttern würden "ursprungsmanipuliert", heißt es. Das bedeute wiederum, dass Kindern in ihrer Entwicklung der Unterschied zwischen "männlich" und "weiblich" verwehrt bliebe. Die Sorge, dass Kinder vergessen oder gar verlernen könnten, dass es mehrere Geschlechter gibt, ist laut einer Studie der Universität Bamberg nicht haltbar. Aus der 2009 veröffentlichte Untersuchung, bei der 693 sogenannte "Regenbogenfamilien" befragt worden sind, geht hervor, dass Kinder, die bei zwei Männern oder zwei Frauen leben, sich in ihren Geschlechterrollen sehr wohl fühlen. Kinder würden durch ihr Umfeld früh damit konfrontiert, dass zwei Mütter oder zwei Väter eher ungewöhnlich seien. Dadurch würde das Thema Identität und Geschlecht in solchen Familien vergleichsweise früh angesprochen. Dies könne eine Erklärung dafür sein, dass die Jungen und Mädchen schneller ein Bewusstsein für die eigene Geschlechtsidentität ausprägen. Darüber hinaus neigen diese Kinder zu mehr Toleranz und Offenheit als andere.

Ebenfalls zeigt die Studie auf, dass Kinder nur selten wegen der sexuellen Orientierung ihrer Eltern diskriminiert werden. Meist belaufe es sich laut Aussagen der befragten Kinder auf relativ harmlose Hänseleien, extreme Außenseitererfahrungen werden selten gemacht.

Die Ergebnisse der Kinderstudie zeigen auf, dass Heranwachsende, die in Regenbogenfamilien groß werden, sich ebenso gut entwickeln wie Kinder in anderen Familienformen. Oft zeigen sie sogar ein ausgeprägteres Sozialverhalten, verfügen über ein höheres Selbstwertgefühl und mehr Eigenständigkeit.

Wenig Aufschluss gibt die Studie darüber, wie sich Kinder entwickeln, die von Geburt an mit einem gleichgeschlechtlichen Paar aufwachsen. Die meisten Jungen und Mädchen führen weiterhin eine Beziehung zu dem leiblichen Elternteil, das nicht bei ihnen lebt.

Dennoch plädiert die Studie dafür, dass es für die Persönlichkeitsentwicklung eines Kindes entscheidend ist, welche Qualität die innerfamiliäre Beziehung hat. Ist das Zusammenleben von Vertrauen und Nähe durchzogen und fühlen sich beide Partner gleichmaßen für ihr Kind verantwortlich, trage das wesentlich mehr zu einer stabilen Identitätsausbildung bei als die bloße Gewährleistung des klassischen Männer-Frauen-Unterschiedes innerhalb der Familie. Wäre dies tatsächlich so entscheidend, würde damit auch allen alleinerziehenden Vätern und Müttern Unrecht getan.