Leipzig/Magdeburg. Der Verwaltungsrat des Mitteldeutschen Rundfunks hat den Chefredakteur der "Leipziger Volkszeitung", Bernd Hilder (52), zum Nachfolger des scheidenden MDR-Intendanten Udo Reiter (67) vorgeschlagen. Das gab der Sender gestern Abend bekannt. In einem fast zehnstündigen Sitzungsmarathon erhielt Hilder nach Volksstimme-Informationen erst im vierten Wahlgang fünf von sieben Stimmen und damit die notwendige Zweidrittelmehrheit. Im ersten Wahlgang soll noch die juristische Direktorin des MDR, Karola Wille (52), mit vier zu drei Stimmen die Nase vorn gehabt haben. Hilder gilt als Wunschkandidat des sächsischen Staatskanzleichefs Johannes Beermann (CDU). Wille ist die einzige Ostdeutsche unter den drei Bewerbern. Helfried Spitra (56), Vize-Fernsehchef des WDR, bekam keine Stimme. Dem Vorschlag muss nun der 42-köpfige MDR-Rundfunkrat zustimmen, der am 26. September tagt

Die Intendantenwahl steht unter dem Eindruck millionenschwerer Finanzskandale beim MDR und beim Kinderkanal, der vom MDR geführt wird.

Der Dresdner Medienexperte Heiko Hilker, der dem Rundfunkrat angehört, hat das Auswahlverfahren kritisiert. "Ich hätte mir gewünscht, dass dem Rundfunkrat nicht nur ein Kandidat präsentiert wird, schließlich hat eine demokratische Wahl auch etwas mit auswählen zu tun", sagte er der Volksstimme.

Der Hettstedter Landtagsabgeordnete Stefan Gebhardt (Linke), ebenfalls Rundfunkratsmitglied, sagte: "Um das zu erreichen, müsste der MDR-Staatsvertrag geändert werden, was zeitlich nicht möglich ist." Die Regelung sollte aber für die Zukunft überdacht werden, sagte Gebhardt.