Halle/Magdeburg. Heute begeht der Verein Deutsche Sprache zum elften Mal den Tag der Deutschen Sprache. Gegründet 1997 in Dortmund, wollen die Mitglieder vor allem gegen die Verbreitung von Anglizismen im Deutschen zu Felde ziehen.

"Backshop"ist eine jener Wortschöpfungen, bei denen sich Jörg Bönisch die Nackenhaare aufstellen. "Das soll weltmännisch klingen, ist aber kein Wort", findet der Sprecher der Regionalgruppe Halle. Überall treffe er auf "Events" und "Highlights" - warum wird hier nicht eine der deutschen Entsprechungen wie Veranstaltung, Geschehen, Spektakel, Glanzlicht, Gipfel oder Höhepunkt gewählt?, fragt Bönisch.

7300 umgangssprachlich verwendete "denglische" Wörter registriert mittlerweile der Anglizismen-Index seines Vereins. Dem Argument von Sprachwissenschaftlern, die deutsche Sprache habe schon immer viele Lehnwörter aufgenommen, sperrt sich der Verein nicht. "Aber bitte mit Augenmaß", fordert Jörg Bönisch. Er und Regionalleiterin Arne-Grit Gerold sehen im Sprachwandel kein "Luxusproblem", sondern eine ernstzunehmende Gefahr. Über Sprache werde die kulturelle Identität transportiert, ließen sich komplexe Sachverhalte deutlich ausformulieren. Dafür brauche es die Vielfalt in der deutschen Sprache.

100 Vereinsmitglieder in Sachsen-Anhalt sehen das mittlerweile ähnlich, darunter die Stadtverwaltung von Merseburg. Anfang Oktober wollen sich die Regionalgruppen Halle und Magdeburg zusammenschließen, um gemeinsam mehr Aufmerksamkeit zu erzielen. Dabei wollen die Mitglieder auch die Politik in die Pflicht nehmen und berufen sich auf den Abschlussbericht der Enquete-Kommission "Kultur in Deutschland" von 2007. Darin werden die Länder aufgefordert, sich um den Erhalt der Sprache zu bemühen.

Deshalb haben die Vereinsmitglieder gemeinsam mit dem Verband der Redenschreiber Deutsche Sprache und dem Berufsverband Öffentlichkeitsarbeit Kultusminister Stephan Dorgerloh (SPD) zur Podiumsdiskussion "Drei Verbände - eine Sprache" eingeladen. Sie soll am 24. November in der Lutherstadt Wittenberg stattfinden. Heute sind sie in Halle beim Fontänefest auf der Ziegelwiese anzutreffen und wollen dort mit den Bürgern ins Gespräch kommen und das Interesse an der Sprachentwicklung wecken.

Jährlich würdigt der Verein außerdem gemeinsam mit der Eberhard-Schöck-Stiftung den Kulturpreis Deutsche Sprache, einen der höchstdotierten Sprachpreise des Landes, der aus drei Auszeichnungen besteht. An Personen oder Institutionen, die im öffentlichen Sprachgebrauch durch Anglizismen auffallen, gehen in regelmäßigen Abständen der "Sprachhunzer des Monats" oder der "Sprachpanscher des Jahres".

Aktueller Preisträger ist René Obermann, Vorstandsvorsitzender der Telekom. Deren Internetseite sei eine "Schocktherapie im Horrorkabinett der deutschen Sprache". Bönisch und Gerold appellieren deshalb an die sprachbewussten Sachsen-Anhalter, vor dem Reden und Schreiben in sich zu gehen und "nicht alles gedankenlos nachzuplappern". "Ich liebe dich" bringt doch wesentlich mehr Gefühl rüber als "I love you", sagt Bönisch.

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