Von Stephen Zechendorf

Loburg. Zögernd blickt Nummer 1479 in die Runde, stakst etwas herum und spreizt die Flügel. Keine fünf Minuten später hat der junge Adebar die Lust am Fliegen entdeckt und kreist über der Gruppe Menschen, der er seine Freiheit zu verdanken hat. Nummer 1479 gehört zur Auswilderungsgruppe H 2-2011. Zusammen mit fünf weiteren Weißstörchen wurde der Jungstorch gestern bei Loburg ausgewildert.

Wenn bei Familie Kaatz in der Chaussestraße 18 in Loburg das Telefon klingelt, dann ahnen sie es schon: Da hat wieder jemand ein verletztes Tier gefunden. Die Vogelschutzwarte mit dem schwarz-weißen Vogel im Logo ist spätestens seit "Prinzesschen" deutschlandweit bekannt wie ein bunter Hund. Seit der Gründung im Jahr 1979 wurden hier inzwischen 1493 Störche abgegeben, hochgepäppelt und im Idealfall wieder ausgewildert. "Möglich, dass wir die 1500 in diesem Jahr noch vollbekommen", meint Vereinsvorsitzender Christoph Kaatz. Die Hochsaison in der Vogelschutzwarte hat mit dem bevorstehenden Winterzug in den Süden gerade begonnen.

Jährlich zählen er und sein Sohn Michael etwa 50 gefiederte Pflegegäste. Sie wurden entweder elternlos in einem Horst aufgefunden, hatten schmerzhaften Kontakt mit Weidezäunen oder Strommasten oder begannen zu früh mit Flugversuchen. Die Geschichten der Störche auf dem Loburger Storchenhof ähneln sich immer wieder. Freud und Leid liegen dabei nah beieinander. "Gut 70 Prozent päppeln wir wieder auf, 20 Prozent sind Dauergäste, zehn Prozent schaffen es leider nicht", fasst Vereinsvorsitzender Christoph Kaatz zusammen. Das Schönste für ihn seit all den Jahren ist der Moment, in dem die gesunden Tiere wieder in Freiheit gelassen werden können.

Doch auch der Weg in die Freiheit kann ganz schön aufregend sein: Aus dem gemütlichen Gehege geschnappt, gewogen und fest in eine Babywickeltasche eingepackt, geht es mit einem Tuch über dem Kopf auf eine Wiese irgendwo zwischen Loburg und Zerbst. Die Überraschung: Vom Himmel schweben schon nach wenigen Minuten acht weitere Störche zu den ausgewilderten Jungtieren. "Von denen können unsere Jungen noch viel lernen", freut sich Storchenvater Christoph Kaatz. Die Alttiere dürften beim bevorstehenden Flug in den Süden die Zugführung übernehmen.

Welchen Weg die Tiere nehmen werden, wissen auch die Loburger Storchenexperten nicht. Ein Wiedersehen mit den nun freigelassenen Tieren ist aber nicht unwahrscheinlich. Denn viele Störche kommen nach ihrem Zug in den Süden wieder in das Gebiet zurück, von dem sie gestartet sind. "Die Chancen stehen nicht schlecht, dass das in zwei bis drei Jahren echte Sachsen-Anhalter werden", meint Michael Kaatz. Für dieses Jahr sind noch zwei Auswilderungen geplant. Derzeit sind 16 Tiere auf dem Storchenhof.

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