Seit Jahren arbeiten die beiden großen Anglerverbände der Republik DAV und VDSF eifrig an einer Fusion. Die Mehrheit der hiesigen DAV-Petrijünger stimmte jedoch dagegen.

Magdeburg l Paukenschlag: Präsident Weineck tritt zurück", titelte gestern eine Pressemitteilung des Angelvereins Kelbra, die kurz danach prompt wieder zurückgezogen wurde. Nur ein Missverständnis - aber war hier der Wunsch der Vater des Gedankens? Fest steht: Für das malerische Panorama der Elbterassen in Brambach (Dessau-Roßlau) hatten die Delegierten des DAV-Landesanglerverbandes am vergangenen Wochenende wohl keine Augen. "Emotional geladen" sei die Mitgliederversammlung verlaufen, sagen Beobachter.

Mehrheitlich hatten die Mitglieder zuvor zwei Anträgen des Kreisangelvereins Sangerhausen zugestimmt. Sie lehnten damit sowohl den Satzungsentwurf für den neuen DAFV als auch den Verschmelzungsvertrag an sich ab - zumindest in der aktuellen Form. "Unter Zeitdruck sollen jetzt Satzung und Vertrag durchgewunken werden, ohne die Mitglieder ernsthaft zu beteiligen. Dies halten wir für zutiefst undemokratisch. Auch kann uns keiner ernsthaft die Vorteile dieses neuen großen Verbandes benennen", heißt es in der Begründung. Außerdem gebe es Widersprüche und Defizite in den Vertragswerken.

"Ich bin mit der Entscheidung der Mitglieder nicht einverstanden, das habe ich in meiner Schlussbemerkung gesagt. Zurückgetreten bin ich nicht", sagte DAV-Landespräsident Hans-Peter Weineck gestern der Volksstimme. 20 Jahre nach der Wende halte er es für eine dringende Notwendigkeit, dass die Angler deutschlandweit endlich mit einer Stimme sprechen. Viele der 40000 DAV-Angler fürchten jedoch, vom viermal so großen VDSF einfach geschluckt zu werden. Wo der VDSF auf privatwirtschaftlichen Betrieb der Angelgewässer setzt, möchten die DAV-Angler ihren zu DDR-Zeiten entstandenen Gewässerfonds erhalten. Er ermöglicht es den Mitgliedern, preiswert in allen ausgewiesenen Seen und Flüssen die Rute auszuwerfen.

Die Ängste seiner Petrijünger kann Hans-Peter Weineck verstehen. Von seiner Linie abgehen will er deshalb nicht. "Die Angel- und Fischereigesetzgebung ist Ländersache, alles bleibt, wie es ist", sagt er und betont, es sei noch ein Jahr Zeit, über Vertragsdetails zu diskutieren. Sangerhausens Oberangler Gerhard Jarosz bemühte sich gestern, die Schärfe aus der Debatte zu nehmen. "Es gibt keine Unstimmigkeiten. Man sollte das nicht überbewerten", ruderte er zurück. "Wir wollten vorher warnen und haben mit den Anträgen Tempo rausgenommen, bevor sich die Verbandsspitze einen Persilschein holt", erklärt Jarosz. Einen Stillstand schließt er jedoch ausdrücklich nicht aus.

Um den Landesverband auf seine Linie zu bringen, hat Hans-Peter Weineck nun im Januar außerordentliche Präsidiums- und Mitgliederversammlungen angesetzt. Viel Zeit ist nicht mehr: Schon zum 1. Januar 2013 sollen DAV und VDSF zum DAFV mit nunmehr 750 000 Mitgliedern verschmelzen. Seite 5

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