Magdeburg l An der Otto-von-Guericke-Universität haben sich nach der Wende drei Studentenverbindungen reaktiviert. Mehr als 20 Jahre sind sie nun wieder Bestandteil des studentischen Lebens in Magdeburg.

Seit einiger Zeit hagelt es seitens der Grünen Hochschulgruppe (GHG) und den Jusos heftige Kritik. Das Ausschließen von Frauen, eine reaktionäre Haltung und ein übersteigertes Nationalgefühl, wie GHG-Mitglied Sarah Mainka betont, sind für sie Anlass, die Legitimation innerhalb des Studierendenrates und der Magdeburger Runde (Eine Plattform für studentische Organisationen) in Frage zu stellen. Darüber hinaus sorgt das mehr als 100 Jahre alte Wappen der Burschenschaft Prata-Schleusingen aktuell für weiteren Zündstoff, weil darauf die Farben "Schwarz-Weiß-Rot" abgebildet sind.

"Das sind nicht einfach drei Farben, diese Kombination benutzt die Neonazi-Szene, um eine antidemokratische Haltung zu signalisieren", erklärt Sarah Mainka die Problematik.

Auch weigern sich alle drei Studentenverbindungen, eine von der GHG und den Jusos verfasste Deklaration zu unterschreiben, in der alle studentischen Organisationen sich ausdrücklich von Sexismus, Homophobie, Xenophobie und Nationalismus distanzieren. "Das zeigt mir, dass solche Vereinigungen weder vom Studierendenrat toleriert werden sollten oder von der Mageburger Runde profitieren dürfen."

Stefan Feldt, Vorsitzender der CDU-nahen Hochschulgruppe Ring christlich demokratischer Studenten (rcds), findet die Forderungen ungerechtfertigt: "Diese Deklaration ist nicht praktikabel. Wenn es danach ginge, dürfte man nicht mal mehr die deutsche Flagge zeigen. Außerdem darf man niemanden dazu zwingen, die eigenen Traditionen aufzugeben." Für ihn ist diese Deklaration sogar ein Eingriff in die freiheitlichen Rechte: "Sie diktieren anderen auf, wie sie sich zu verhalten haben, und was richtig und was falsch ist."

Sarah Mainka weist solche Vorwurfe zurück: "Es fehlt eine kritische Selbstreflektion und die nötige Distanzierung. Sie berufen sich unreflektiert auf Traditionen, die im Kaiserreich galten. Da hatten Frauen kein Wahlrecht, waren sogar ein Störfaktor und die damaligen Prinzipien der Aufklärung galten nur für Männer."

Burschenschaftsmitglied Hannes Köhler verteidigt die Traditionen: "Dass unsere Rituale sich auf eine alte Zeit beziehen, garantiert eine Festigkeit untereinander. Würden wir alles ändern, nur damit es dem Zeitgeist entspricht, würde der Zusammenhalt bröckeln. Wir existieren hier seit mehr als 20 Jahren, sind niemals negativ aufgefallen, aber auf einmal sind wir das große Problem an der Universität." Eine Änderung der Farbkombination auf dem Wappen steht nicht zur Debatte : "Das Wappen entstand lange bevor die Nationalsozialisten an die Macht kamen. Die Farben "Schwarz-Weiß-Rot" bildeten die Flagge des Norddeutschen Bundes und ist zusammengesetzt aus den Farben Preußens und der Hanse. Die Studenten haben die Farben als ein Bekenntnis zum Vaterland in ihr Wappen aufgenommen. Dass sie später von den Nazis missbraucht wurden, ist kein Grund unser Wappen zu ändern."

Sie seien sich bewusst, dass es unter ihnen in der Vergangenheit antisemitische und antidemokratische Tendenzen gab. "Wir ziehen unsere Konsequenzen aus den zwölf Jahren NS-Zeit, und haben den Anspruch, weiterhin für Freiheit, Demokratie und Grundrechte einzustehen", sagt Hannes Köhler und fügt hinzu, "Ich finde es gut, dass es unterschiedliche Meinungen gibt, aber die Leute der GHG haben sich kein einziges Mal persönlich mit uns zusammengesetzt. Sie kritisieren nur aus der Ferne. Unter Demokraten redet man miteinander."

Sarah Mainka ist anderer Meinung: "Eine sachliche Diskussion wäre kaum möglich, weil ihre Argumente von einer reaktionären Pseudo-Emotionalität geprägt sind. Über die Verwendung von zweifelhaften Symbolen gibt es nichts zu diskutieren. Ich unterstelle ihnen nicht, dass sie mit Nazis sympathisieren oder undemokratisch sein wollen. Für mich haben sie nur das Projekt der Aufklärung nicht verstanden."