Laut einer Studie spricht sich eine klare Mehrheit von 2400 befragten Sachsen-Anhaltern für die Wiedereinführung von Kfz-Kennzeichen aus, die im Zuge von Gebietsreformen abgeschafft worden sind.

Magdeburg l Genau 76,8 Prozent der in zehn Städten befragten Menschen (zum Beispiel in Schönebeck, Staßfurt, Wernigerode und Haldensleben) plädieren für eine Wiedereinführung der Altkennzeichen. Das ist das Ergebnis einer gestern in Magdeburg vorgestellten wissenschaftlichen Studie der Hochschule Heilbronn. Demnach wollen nur 7,4 Prozent der Befragten das derzeitige Kennzeichen behalten. Lediglich 15,8 Prozent der Menschen hatten keine Meinung zu dieser Frage.

Interessant: Auch die jüngste Altersgruppe (16- bis 30-Jährige) sprach sich mit 75,6 Prozent sehr deutlich für die Wiedereinführung auslaufender Kennzeichen aus. Projektleiter Professor Ralf Bochert sagte dazu: "Der Trend, dass es sich nicht nur um ein Nostalgie-Thema handelt, ist in allen Bundesländern zu beobachten."

Für die Studie waren in den Jahren 2010 und 2011 deutschlandweit mehr als 30000 Menschen aus 144 Städten befragt worden. Dabei hatten sich mehr als 70 Prozent die abgeschafften Kennzeichen zurückgewünscht.

Im Bundesvergleich ist nur in Sachsen (85 Prozent) der Wunsch nach den alten Kennzeichen stärker ausgeprägt als in Sachsen-Anhalt.

Der Präsident des Städte- und Gemeindebundes Sachsen-Anhalt, Norbert Eichler, sagte, im Land hätten sich 23 von 32 Städten für die Wiederereinführung des alten Kfz-Kennzeichens ausgesprochen. Zu den Kommunen, die die alten Kennzeichen befürworten, gehören unter anderem Aschersleben, Haldensleben, Nebra, Quedlinburg und Schönebeck.

"Manch einer wird über dieses Thema lächeln", sagte Eichler. "Es ist nichts Weltbewegendes, davon hängt nicht das Wohl und Wehe einer Stadt ab. Aber es berührt die Menschen. Sie empfinden die Autonummern als einen Anker zur Heimat."

Kritiker befürchten bei einer Neuregelung einen höheren bürokratischen Aufwand und somit höhere Kosten für die Autofahrer.

Wann könnten die Wunsch-Nummernschilder parallel zu den jetzigen Kennzeichen ausgegeben werden? Der Städte- und Gemeindebund will nächste Woche die Liste mit den Städtenamen an das Landesverkehrsministerium schicken. Von dort geht diese ans Bundesverkehrsministerium, welches die Kennzeichenwünsche sammelt. Bis Ende März 2012 haben die Länder Zeit, die Wünsche der Kommunen weiterzureichen. Die Länder dringen auf eine vom Bund vorgegebene deutschlandweit einheitliche Regelung.

Der Städte- und Gemeindebund rechnet damit, dass es frühestens im zweiten Halbjahr 2012 dazu kommen könnte. Die Verkehrsministerkonferenz hatte in diesem Jahr eine Lockerung der bisherigen Regelungen angekündigt. Harald Kreibich, Sprecher des Landesverkehrsministeriums, sagte gestern: "Wenn die Bürger eine solche Möglichkeit wünschen, werden wir uns als Land nicht dagegen sperren."

Im Internet können Sie unter www.volksstimme.de/kennzeichen abstimmen. Seite 5