37,6 Millionen Euro sind in den Neubau des Magdeburger Leibnizinstituts für Neurobiologie geflossen. Mehr als 200 Menschen arbeiten in dem Klinkerbau. Heute wird die Stätte sachsen-anhaltischer Spitzenforschung offiziell eingeweiht.

Magdeburg l Eine Punktlandung haben das Magdeburger Leibnizinstitut und die Partner am Bau hingelegt: Heute wird ab 11 Uhr der Institutsneubau anstelle eines 1988 errichteten Plattenbaus feierlich eingeweiht. 2006 war die Investition beschlossen worden, und sowohl der Kostenrahmen von 37,6 Millionen Euro als auch der Zeitplan sind genau eingehalten worden. Keineswegs eine Selbstverständlichkeit bei öffentlichen Bauprojekten.

Zunächst hatte es in der Nachbarschaft an der Brenneckestraße Befürchtungen vor einem langweiligen Betonklotz gegeben. Äußerlich ist der Neubau nun aber geprägt von hellen Klinkersteinen und von einer zur Straße hin zackenförmigen Struktur. "Die Fassade des imposanten Gebäudes nimmt bauliche Strukturen aus der südlich der Brenneckestraße gelegenen Gartenstadt Reform auf", erklärt der Architekt Michael Jäger vom Magdeburger Planungsbüro Rohling. "Damit haben wir auch Zweifler überzeugen können", bestätigt Projektsteuerer Rüdiger Hartewig nach vielen Gesprächen mit Bewohnern aus der Umgebung.

"Die Architektur könnte ein Sinnbild für die kommunikativen Strukturen des Gehirns sein"

Prof. Dr. Henning Scheich

Auffälliges Herzstück des fünfetagigen Gebäudes ist im Inneren ein Atrium. In dieses münden die Gänge aus den verschiedenen Bereichen des Hauses. "Die Architektur könnte ein Sinnbild für die kommunikativen Strukturen des Gehirns sein", freut sich Gründungsdirektor Prof. Dr. Henning Scheich. Eine Freude nicht zuletzt deshalb, weil gerade in den mit spitzem Bleistift rechnenden Finanzverwaltungen solche architektonischen Finessen gern als Platzverschwendung abgetan und abgelehnt werden. Hier aber konnten sich die Planer mit ihren Ideen durchsetzen, und Architekt Jäger erklärt die Bedeutung dieser hohen Halle: "Dank des Atriums haben wir sehr kurze Gänge, die zudem alle auf einen Raum mit Tageslicht zulaufen." Zum anderen soll das Atrium tatsächlich der Kommunikation dienen: Hier schließen sich beispielsweise der Seminar- und Konferenzbereich, die wissenschaftliche Bibliothek und ein Aufenthaltsraum an.

Neben ästhetischen Ansprüchen erfüllt der Neubau hohe Umweltstandards: Ein Blockheizkraftwerk versorgt das Haus mit Strom und Wärme, auf dem Dach befindet sich eine Photovoltaikanlage, mit einem Hochleistungswärmetauscher wird Energie gespart. Bemerkenswert ist auch eine Anlage zur Heliumrückgewinnung: Dank ihr ist ein sparsamerer Umgang mit dem teuren Kühlmittel möglich, welches für medizinische Großgeräte gebraucht wird.

Daran, dass anstelle des 1988 errichteten Vorgängerbaus ein Neubau notwendig wurde, lässt Henning Scheich keinen Zweifel: "Der alte Plattenbau konnte Anforderungen an eine moderne wissenschaftliche Forschung nicht mehr erfüllen." Es wurde in Provisorien gearbeitet. Für diese waren Sondergenehmigungen zum Beispiel im Brandschutz und beim Tierschutz notwendig. Von der Teilnehmerin einer Kommission, die die herausragende Qualität der Magdeburger Spitzenforschung bestätigt und dringend einen Neubau empfohlen hatte, ist ein Ausspruch überliefert: Man sei froh, den alten Plattenbau wieder heil verlassen zu können. Wie wichtig der Neubau war, macht auch das Beispiel des heutigen wissenschaftlichen Direktors Prof. Dr. Eckart Gundelfinger deutlich: "Ich hatte 2006 einen Ruf nach Hamburg. Aber ich habe mich für Magdeburg entschieden, gerade auch wegen der Möglichkeiten, die sich hier abzeichneten."

Damit sich die Wissenschaftler im Neubau heimisch fühlen, gab es über 100 Treffen mit den Planern. Ein Detailergebnis dieser Treffen sind eigens entwickelte Türklinken. Diese sind besonders groß - damit die Wissenschaftler die Tür auch dann öffnen können, wenn sie ein Tablett mit Laborgerätschaften dabei haben.

"Allerdings muss das Land mit seiner Förderung eine Grundausstattung schaffen"

Prof. Dr. Eckart Gundelfinger

Zwar ist der Neubau in Ästhetik wie in Funktionalität ein Aushängeschild für die sachsen-anhaltische Spitzenforschung. Dennoch haben derzeit auch die Spitzenforscher im Hause Leibniz Sorgen. So geht es in der Landespolitik in diesen Tagen darum, dass die knappen Landesfinanzen neu verteilt werden sollen. Wie die Volksstimme berichtete, drohen dem Wissenschafts- und Forschungsbereich ab dem kommenden Jahr tiefe Einschnitte. Diese sollen sich bis zum Jahr 2016 auf 75 Millionen Euro pro Jahr summieren. Und das drückt die Stimmung in der Forschungslandschaft erheblich. "Herausragende Forschung wird bundesweit von der Deutschen Forschungsgemeinschaft im Rahmen der Sonderforschungsbereiche unterstützt", berichtet Henning Scheich. Dies sei eine wesentlich nachhaltigere Förderung als die öffentlichkeitswirksam in Szene gesetzte Exzellenzinitiative, bei der Hochschuleinrichtungen aus den neuen Bundesländern außen vor geblieben waren. Im Gegensatz zu dieser Initiative ist allein das Magdeburger Leibnizinstitut an vier Sonderforschungsbereichen zumindest beteiligt. Deutschlandweit werden 250 dieser Forschungsgruppen unterstützt, 13 von ihnen sind ganz oder teilweise in Sachsen-Anhalt angesiedelt.

"Allerdings muss das Land mit seiner Förderung eine Grundausstattung an den Universitäten und den außeruniversitären Einrichtungen schaffen. Geschieht dies nicht, steht die Spitzenforschung in unserem Land zur Gänze auf dem Spiel", fasst Eckart Gundelfinger zusammen.

 

Bilder