Magdeburg l Die Grünen im Landtag haben die Nachprüfung eines milliardenschweren Verkehrsvertrages zwischen Land und Deutscher Bahn (DB) gefordert.

Finanzexperte Christoph Erdmenger kritisierte, dass Verkehrsminister Thomas Webel (CDU) den Vertrag am 30. November unterzeichnet habe, der Finanzausschuss des Landtages aber erst einen Tag später und lediglich auf Nachfrage davon informiert worden sei. "Das ist ein unglaublicher Vorgang. Angesichts eines Volumens von mehr als einer Milliarde Euro hätte der Landtag Gelegenheit haben müssen, vorher darüber zu reden", sagte Erdmenger gestern der Volksstimme.

Nach Angaben der Nahverkehrsservice-GmbH (NASA) umfasst der von 2013 bis 2028 laufende Vertrag das sogenannte Elektronetz Nord, zu dem die Regionalverbindungen Halle-Magdeburg, Magdeburg-Braunschweig, Magdeburg-Stendal-Uelzen, Magdeburg-Stendal-Wittenberge sowie Magdeburg-Genthin gehören. Mit einem Umfang von 6,3 Millionen Zugkilometern ist er der lukrativste der insgesamt neun Bahn-Verträge mit sachsen-anhaltischer Beteiligung.

Verkehrsministerium und NASA verteidigten auf Nachfrage ihr Vorgehen. Ministeriumssprecher Harald Kreibich sagte, nur durch die Freihand-Vergabe könne das Land Zugriff auf eine spezielle Baureihe moderner Doppelstockwagen erhalten. Zudem spare Sachsen-Anhalt gegenüber einem vergleichbaren Vertrag 40 Millionen Euro. Auch sei vereinbart, dass in jedem Zug ein Zugbegleiter mitfährt.

NASA-Geschäftsführer Klaus Rüdiger Malter sagte: "Wir haben Anfang November die Firma Keolis, einen potenziellen Mitbieter, über unsere Absicht informiert, den Vertrag mit der DB abzuschließen. Es gab keine Reaktion." Bis Ende Dezember hätten Bahn-Konkurrenten Gelegenheit, den Vertrag bei der Landes-Vergabekammer anzufechten.