Im Verfahren gegen den Landrat des Jerichower Landes, Lothar Finzelberg (parteilos), muss die Staatsanwaltschaft Stendal damit leben, dass einer ihrer zwei Kronzeugen erneut in Haft ist. Er war in Absprache mit der Anklagebehörde "Freigänger".

Burg l Uwe S. sitzt seit einer knappen Woche erneut in Haft. Diesmal in Burg-Madel. Die Zeit als "Freigänger" der Justizvollzugsanstalt (JVA) Dessau-Roßlau war für ihn somit nur eine kurze Episode.

Der 49-Jährige ist Kronzeuge der Staatsanwaltschaft Stendal im Korruptionsverfahren gegen den Landrat des Jerichower Landes, Lothar Finzelberg.

Das Strafregister von S. ist lang. Es reicht von der Brandstiftung seiner eigenen Autohäuser in Genthin und Rathenow, über Versicherungs- und Subventionsbetrug bis zur Untreue. Siebeneinhalb Jahre Haft lautete das Urteil des Landgerichts Stendal im August 2009 unter Berücksichtigung aller Taten.

Doch S. blieb vorerst weniger als die Hälfte dieser Zeit in Haft. Der Grund: Der rechtskräftig Verurteilte packte bei der Staatsanwaltschaft Stendal aus. Und avancierte so zu einem von zwei Kronzeugen der Anklage.

S. war einst Mitgeschäftsführer des Müllgrubenbetreibers Sporkenbach Ziegelei (2008 pleite gegangen) und somit Insider im sogenannten Müllskandal. Dabei geht es um rund 1,3 Millionen Tonnen kriminell abgekippten Hausmülls in Möckern und Vehlitz (Jerichower Land).

Der 49-Jährige, mit dem Damoklesschwert einer langen Haftstrafe über dem Haupt, hatte der Stendaler Staatsanwaltschaft mitgeteilt, dass er beeiden könne, dem Landrat Umschläge mit Geld zugesteckt zu haben. Insgesamt soll es unter anderem um 370000 Euro gegangen sein. Im Gegenzug habe Finzelberg darauf hingewirkt, dass die ungesetzliche Entsorgung genehmigt wird, so Uwe S.

Kein Geheimnis ist, dass es der Staatsanwaltschaft nicht unangenehm war, Uwe S. auf freiem Fuß zu sehen. Die Strafvollstreckungskammer hatte zwar diese Art von Vollzugslockerung letztlich entschieden. Doch ohne das Ja der Anklagebehörde, die dem Brandstifter großes Entgegenkommen zugesichert hatte, wäre S. im Gefängnis geblieben.

Doch der Genthiner hatte sich nicht an seinen Teil der Abmachung gehalten und sich in Hamburg "danebenbenommen". Nach Volksstimme-Informationen hatte er dort einem Geschäftspartner in "etwas robuster Art und Weise um ein Darlehen" ersucht. Ob sein Vorgehen Nötigung oder Erpressung war, ist offen. Allerdings reichte sein Verhalten aus, dass er von Hamburger Beamten festgenommen und in die JVA Burg verfrachtet wurde. Dort sitzt er nun sein Urteil vom August 2009 weiter ab.

Ob die erneute Haft sein weiteres Aussageverhalten beinflussen wird, ist völlig offen. Seite 5