Berlin l Die Idee zur "Soko Schönsprech" muss in den Polizeistübchen richtig gut angekommen sein. Wurde ja auch Zeit, den Vorurteilen gegenüber der eigenen Zunft offensiv entgegenzutreten. Bürokratisch sollte sie sein, starrsinnig und einfallslos? Von wegen!

Kommentare zum Polizei- und Ordnungsrecht flogen aus den Bücherregalen, Goethe und Schiller zogen ein. Inspiriert durch die neue Lektüre konnte 2011 so manch spröder Polizeibericht aufgepeppt werden - muss ja nicht alles so schlimm klingen, wie es ist.

Da gab es zum Beispiel Polizisten, die den auf Krawall gebürsteten Teenager nicht als solchen bloßstellen wollten. Sympathischer wäre es doch, den jungen Mann als "erlebnisorientierten Jugendlichen" zu bezeichnen. Oder Betrunkene, die einander verprügeln: Für manchen Beamten sind das Menschen, die "milieubedingten Freizeitbeschäftigungen" nachgehen.

Und wer will ernsthaft lesen, dass einer auf die Straße spuckt? Dann soll sich der Übeltäter lieber des "Auswurfs der oberen Atemwege" entledigen. Weil es Tierfreunde außerdem schmerzt, vom kläglich verendeten Reh zu lesen, erleidet es besser "mit dem Leben unvereinbare Verletzungen".

Zur kreativen Vielfalt der Polizeiberichte trug auch so mancher Bürger bei: Mal inszenierte ein lauffauler Teenie einen Überfall, um sich vom Polizeitaxi nach Hause fahren zu lassen, mal sprangen Gäste eines Schiffsrestaurants von Bord, um der Rechnung über 120 Euro zu entgehen.

Eschweiler Polizisten dürfte besonders ein Mann in Erinnerung geblieben sein, der einen eben gekauften, aber bestialisch stinkenden Käse aufs Revier brachte. Schnell hatten die Beamten festgestellt, dass das miefende Stück sein Haltbarkeitsdatum längst überschritten hatte. Bloß wie die Geschichte für den Polizeibericht formulieren? Mal bei dem Schiller nachschauen. Der hatte doch auch mal was von so einer Käseglocke geschrieben, nicht?