Ein neues Institut soll in Magdeburg und Barleben (Landkreis Börde) Forschung und Automobilwirtschaft besser verknüpfen. Gestern wurde ein Laborgebäude für Motoren- und Fahrwerktests eröffnet.

Magdeburg l In Sachsen-Anhalt gibt es zwar keine so große Autoindustrie wie in den Nachbarländern Niedersachsen, Sachsen und Thüringen. Die Zulieferunternehmen der Automobilbranche sind aber auch hierzulande stark vertreten. Nach Angaben des Branchenverbundes Mahreg arbeiten 250 Firmen im Land mit 18500 Beschäftigten für die Automobilwirtschaft. Um diese Unternehmen besser als bisher mit der angewandten Forschung zu verknüpfen, wurde gestern in Magdeburg ein neues Institutsgebäude eröffnet.

In der Laborhalle des "Instituts für Kompetenz in Automobilität" (IKAM) auf dem Campusgelände der Magdeburger Universität gibt es mehrere hoch moderne Prüfstände für Motoren und Fahrwerke von Kraftfahrzeugen. Es gibt zum Beispiel Geräte zur Analyse von Schwingungen und der Vibrationsakustik. Ein wichtiger Bereich der Forschung wird das Thema Elektromobilität sein. Bei IKAM können spezielle Antriebssysteme wie Radnabenmotoren entwickelt und getestet werden. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Materialforschung, um über die Leichtbauweise im Fahrzeugbau Energie sparen zu können.

Gesellschafter der IKAM-Gesellschaft sind die Otto-von-Guericke-Universität und die Industrie- und Handelskammer Magdeburg. Knapp 13 Millionen Euro wurden in den Neubau und die Ausstattung des gestern eröffneten Laborgebäudes von Land und Bund investiert. Insgesamt beträgt das IKAM-Investitionsvolumen 36,6 Millionen Euro. Bereits im November 2010 hatte im Industrie- und Gewerbezentrum Barleben (IGZ) vor den Toren Magdeburgs ein IKAM-Laborgebäude eröffnet. Ein weiteres Technikum soll in Barleben in der zweiten Jahreshälfte folgen.

Zu den Gästen bei der Eröffnung gehörten Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) und Wirtschaftsministerin Birgitta Wolff (CDU). Ein potenzieller Partner für IKAM ist der Volkswagen-Konzern in Wolfsburg. Jürgen Leohold, Leiter der VW-Konzernforschung, lobte in einem Vortrag die traditionell gute Verbindung von VW zur Magdeburger Universität. "Sie haben nun hier auch die notwendige apparative Ausstattung, um forschungsmäßig an der Spitze mitarbeiten zu können. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit", sagte Leohold.

Er hob hervor, dass es noch viel Entwicklungskapazität gebe, den Verbrennungsmotor noch effizienter zu gestalten. In Bezug auf die Elektromobilität sagte der VW-Experte, dass die derzeitige Energiedichte von Batterien für den Auto-Antrieb eine Lebensdauer von höchstens zwei Jahren ermögliche. Leohold betonte: "Niemand möchte sich für sein Fahrzeug alle zwei Jahre eine neue Batterie kaufen müssen. Um leistungsstärkere Batterien zu entwickeln, sind noch mindestens 15 Jahre Grundlagenforschung notwendig." Seite 5