Ingenieure aus Wernigerode haben gemeinsam mit dem Fahrradhersteller Mifa aus Sangerhausen einen kettenlosen Fahrradantrieb für E-Bikes entwickelt. Anfang 2013 will Mifa das Fahrrad auf den Markt bringen.

Wernigerode l Ein E-Bike ohne Kette, Riemen, Kardanwelle und Gangschaltung. Stattdessen speist der Fahrer über die Pedale einen Generator, der über ein Stromkabel mit dem E-Motor am Hinterrad verbunden ist. Das ist kein Fahrrad mit Hilfsmotor, sondern ein streng elektrisch organisiertes Fahrgerät, dessen Komponenten ähnlich wie im Automobilbau softwarekontrolliert arbeiten.

Das Beste aber ist das Fahrgefühl: Ein stufenlos gesteuertes Automatikgetriebe sucht sich je nach Fahrsituation die passende Übersetzung. Das Fahrrad summt schaltfrei den Berg hoch, der Fahrer entscheidet über eine Smartphone-Steuerung am Lenkrad, wie viel Energie er per Beinmuskelkraft dazu beitragen möchte. Den "Rest" der notwendigen Kraft zieht sich der E-Motor aus dem im Rahmen versteckten Akku.

"So ein E-Bike gibt es bisher noch nicht", schwärmt Prof. Klaus-Dietrich Kramer, Leiter des Institutes für Automatisierung und Informatik in Wernigerode, eine der Hochschule Harz beigeordnete Einrichtung. Im Sommer 2010 war Sandy Hille auf den Professor zugekommen. Der ehemalige Student der Hochschule arbeitet inzwischen für die Fahrradschmiede Mifa in Sangerhausen. "Ziel war, die Idee vom E-Bike noch einmal grundlegend neu zu entwickeln", erzählt Hille. Ein Team unter Leitung von Ingenieur Steffen Braune machte sich an die Arbeit.

Nun ist der erste vorzeigbare Prototyp entstanden. Er soll heute beim "19. Innovationstag Mittelstand" des Bundeswirtschaftsministeriums in Berlin zum ersten Mal öffentlich gezeigt werden. Berlin hat die Zusammenarbeit der "E-Biker" im Rahmen des ZIM-Programms unterstützt. 90 Millionen Euro flossen seit Start dieser Mittelstandsförderung 2008 in 710 Forschungsprojekte nach Sachsen-Anhalt. Das kettenlose E-Bike soll als aktuelles Vorzeigeprojekt für die Ingenieurkunst Sachsen-Anhalts in Berlin werben.

Noch einige Details: Der eigenentwickelte E-Motor (250 Watt) kann beim Start stark überlastet werden und die achtfache Leistung (2000 Watt) abrufen. Der Li-Ion-Akku (400 Wattstunden) im Rahmen ist nach zwei Stunden am Strom wieder voll aufgeladen. Die Reichweite bei 30 Prozent Muskelkraftbeteiligung beträgt etwa 60 Kilometer - bei 50 Prozent 80 Kilometer. Im mittig angeordneten Kasten ist bislang die elektronische Hardware untergebracht. Dieser Behälter soll bei Produktreife in einem Jahr nur noch die Größe einer Trinkflasche besitzen. Und was könnte dieses E-Bike bei Mifa 2013 einmal kosten? Sandy Hille: "Um 2500 Euro ist realistisch." Seite 5