Magdeburg l Die Idee einer Reiterstaffel für die Polizei in Sachsen-Anhalt ist für Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) trotz der vor kurzem am Widerstand der Veranstalter gescheiterten Proberunde auf dem Weinfest in Naumburg (Volksstimme berichtete) nicht vom Tisch. "Das wäre keine Liebhaberei von mir. Ich kann nicht reiten und brauche die Pferde auch nicht für mein Ego", betonte Stahlknecht am Donnerstagabend in Magdeburg. Entscheidend sei für ihn, ob die Staffel im Rahmen einer zukünftigen Polizeistruktur einen einsatztaktischen Sinn mache. "Wenn die Zahl der Beamten im Land aufgrund des Personalentwicklungskonzeptes unter 5000 fällt, müssen wir uns über Strukturen unterhalten, die eine objektive und subjektive Sicherheit erhalten", sagte der Innenminister. Wenn die Staffel käme, dann seien mindestens 15 Pferde nötig, die der Bereitschaftspolizei zugeordnet würden. Denkbar wäre für Stahlknecht auch eine Kooperation mit den Kollegen der Reiterstaffeln in Sachsen oder Niedersachsen. "Aber ich mache keine Politik gegen die Menschen. Wenn eine Pferdestaffel in der Bevölkerung nicht gewünscht ist, werden wir sie nicht einführen", sagte Holger Stahlknecht auch mit Blick auf die Kritik des Koalitionspartners SPD und der Polizeigewerkschaften.

Dass Pferdestaffeln Sinn machen, davon ist Andreas Otte aus Niedersachsen überzeugt. Der Beamte ist seit 30 Jahren auf dem Rücken der Vierbeiner im Einsatz und sagt: "Bei uns ist die Einsatzzahl drastisch gestiegen." Jedes Wochenende seien die Staffeln aus Hannover und Braunschweig bei Fußballspielen im Einsatz oder unter der Woche auf Streife in Wohngebieten. Wenn die Kavallerie laut mit den Hufen klappernd durch die Straße reite, verhindere das in einer Art "Verdrängungseffekt" Verbrechen. Bei Großveranstaltungen wie Straßenfesten hätten die berittenen Beamten einen besseren Überblick und würden von Bürgern auch besser gesehen. "Außerdem ist das Pferd ein Sympathieträger. Die Leute kommen und sprechen uns an, wollen die Tiere streicheln", berichtet Otte. Und wenn es doch ernst werde, ließen zehn in einer Formation antrabende Reiter kaum einen Störenfried kalt.

"Wir nutzen den Respekt vor dem Pferd als taktisches Mittel", bestätigt Frank Götze aus Sachsen, dem einzigen Ost-Land, das nach der Wende eine Staffel einführte. 85000 Euro Jahresbudget stünden für 18 Pferde und 17 Reiter zur Verfügung, pro Tag koste ein Pferd inklusive Futter, Tierarzt und Hufschmied fünf Euro Unterhalt. 200 Einsätze absolvierte die sächsische Staffel 2010, davon etwa die Hälfte bei Streifen, oft auch beim Fußball, wo die berittenen Beamten in den unteren Ligen regelmäßig Fanlager trennen müssen. Zum Einsatz kämen in beiden Ländern normale deutsche Reitpferde, die mit etwa vier Jahren Alter gekauft werden. Aktuell lägen die Preise zwischen 3500 und 6000 Euro, gesund und nervenstark müssten die Tiere sein, berichtet Andreas Otte. Nach ein bis zwei Jahren allgemeiner und polizeispezifischer Ausbildung seien sie etwa 15 Jahre im Einsatz, dann gehe es in den "Ruhestand".

In sieben von 16 Bundesländern gibt es eine oder mehrere Polizeireiterstaffeln mit insgesamt 250 Dienstpferden.