Magdeburg. Stellen wir uns vor: Eine Familie ist auf dem Weg an die Küste von Nord-Frankreich. So eine Fahrt kann wirklich anstrengend sein, erst recht, wenn man stundenlang im Stau steht. Gut, dass ihr neues Auto nahezu alle technischen Möglichkeiten bietet und für jeden Geschmack etwas dabei ist, zum Beispiel, die vorbeifahrende Musik "einzufangen".

Alle Fahrzeuge sind miteinander verknüpft

Das klingt vielleicht noch unvorstellbar, ist aber an der Hochschule Magdeburg-Stendal bereits in Angriff genommen worden.

Unter Leitung von Professorin Steffi Hußlein vom Institut für Industrial Design haben acht Masterstudenten des Interaction Designs, eine Industrial-Design-Studentin und ein Computervisualist vier Prototypen mit Unterstützung eines Unternehmens der Volkwagen-Gruppe gebaut. Ziel war es, zum Thema "Autocontrol 3-D - Interaktion im Fahrzeuginnenraum - Designvisionen zum multimedialen Fahren von morgen" innerhalb von drei Monaten Prototypen zu entwickeln, mit denen die Zeit im Auto abwechslungsreich genutzt werden kann.

Eines davon ist SoundDrive, das vierte Projekt, es ermöglicht eine neue Form des Musikhörens. Hinter der Idee stehen Sindy Kültz, Susanne Speh und Torsten Müller. Das Musiknetzwerk auf vier Rädern soll etwa so funktionieren: Alle Fahrzeuge sind miteinander verknüpft und werden zu mobilen Radiostationen. Auf einer berührungsempfindlichen Mittelkonsole erscheinen die Musiktitel, die die Fahrtroute kreuzen.

"Alle Insassen haben gleichzeitig die Möglichkeit, Musik auszuwählen, zu teilen oder einzufangen und die Titel in ihren privaten Bereich zu ziehen, um sie dort zu speichern", erklärt Sindy Kültz. Die Musik liegt in der Luft und ein integriertes Filtersystem ermöglicht, beispielsweise alle Hip-Hop-Songs im Umkreis von einem Kilometer herauszusuchen. Die Musiksammlung kann anschließend auf einem synchronisierten Smartphone gespeichert oder durch Upload von neuen Titeln erweitert werden.

Kontakt zum Unternehmen soll erhalten bleiben

Inwieweit SoundDrive GEMA-rechtlich realisierbar ist, wurde während der Entstehung der Prototypen nicht geklärt. Im Fokus standen zunächst die technischen Konzepte und denen sollten keine Grenzen gesetzt werden. "Unseren Prototypen hat in erster Linie Torsten Müller gebaut. Für die Simulation hat er einen Eingabehandschuh programmiert, der mit einem Tisch interagiert - ähnlich wie die Hand mit dem Touchscreen.

Zur besseren Anschauung haben wir das dann wiederum in einem nachgebauten Auto mit einer Mittelkonsole aus Papier und einem Beamer für die Musiktitel nachgestellt", berichtet Susanne Speh.

"Die Partnerfirma carmeq GmbH war von der Kreativität der Studierenden begeistert. Die visionären Konzepte werden nun für laufende Projekte der carmeq einbezogen", erzählt Professor Steffi Hußlein. Der Kontakt zwischen dem Unternehmen und dem Fachbereich soll auch in Zukunft bestehen bleiben.

Hochschulkooperationen sind ein ganz wichtiger Baustein der Nachwuchsförderung und -gewinnung, sagt Sönke Petersen von der carmeq GmbH: "Hier ging es um echte, zukunftsrelevante Themen und ein gestalterisches Brainstorming auf hohem Niveau, das nicht nur den Studenten etwas bringt, sondern auch uns neue Ansätze bietet."

Für den Bachelor-Studiengang Industrial Design (Beginn des Studiums im Sommersemester) werden noch bis zum 20. Dezember Bewerbungen entgegengenommen.