Was hat Radiologie mit Archäologie zu tun? Eine Menge, wie man an dem Fund von Otto von Hessen sehen kann: Die Mumie wurde an der Medizinischen Fakultät der Universität geröntgt und tomografiert. Eine Hilfe für die Archäologen.

Magdeburg l Mit einem Lächeln sitzt Oliver Großer in seinem Lederstuhl und zeigt auf das Bild, das in seinem Büro hängt: Eine große Röntgenaufnahme von einem Skelett, das fast sieben Jahrhunderte lang im Magdeburger Dom begraben lag. "Das ist Otto von Hessen", erzählt Großer. "Ein Magdeburger Erzbischof."

Großer, Leiter der medizinischen Physik in der Radiologie an der OvGU, unterstützt die Archäologen des Landesamts für Bodendenkmalpflege und Archäologie entscheidend.

Im Herbst 2009 fanden die Archäologen Otto von Hessen im Dom - natürlich ohne zu wissen, um wen es sich bei der Bestattung handelte. Eine Identifikation schien zu diesem Zeitpunkt unmöglich, denn der Fund bestand aus einer Ansammlung von Textilien, unter denen sich Knochen nur erahnen ließen.

Würde man die Textilien oder die menschlichen Überreste in diesem Zustand anfassen, würden sie zerbröckeln. "Da kommen wir von der Medizinischen Fakultät ins Spiel", sagt Großer. "Wir nehmen Röntgenbilder von dem Fund auf. Damit können wir ausmachen, wo sich Bischofsmütze, Kleider oder Knochen befinden."

Normalerweise tragen Erzbischöfe Goldringe, in denen ihr Name eingraviert ist. Doch Otto von Hessen bildet eine Ausnahme: Die Röntgenaufnahme zeigt, dass nicht nur der Ring, sondern auch Fingerknochen beider Hände fehlten.

Oliver Großer und sein Team suchen weiter nach Hinweisen, die verraten, wessen Leichnam sie vor sich liegen haben.

Und sie werden fündig: Auf der Röntgenaufnahme entdecken sie neben den Füßen eine Bleitafel, deren Buchstaben sogar lesbar sind. Otto von Hessen ist identifiziert.

Aber wo ist sein Ring, den er vom Papst erhalten hat? "Wir vermuten, dass ihm der Ring etwa 1830 abgenommen wurde. Damals wurde der Dom saniert, und Arbeiter stießen damals auf sein Grab."

Nach dem Röntgen wird Otto von Hessen per Computertomografie (CT) dreidimensional mit Röntgenstrahlung abfotografiert. Und der Erzbischof macht viel Arbeit, schließlich misst der ausgehobene Leichnam samt Textilien 70 mal 200 Zentimeter. "Das macht eine Datenmenge von 27 Gigabyte", kommentiert Großer. "Aber es lohnt sich.

Dadurch weiß der Restaurator später genau, wo er beim Bearbeiten auf Stoffmantel und wo auf Knochen trifft. Die CT-Aufnahmen sind wie eine Landkarte für ihn." Derzeit befindet sich Otto von Hessen in Halle, um restauriert und für die Ausstellung im Museum aufbereitet zu werden. Dann wird Oliver Großer nicht bloß die Röntgenaufnahme Otto des Großen, sondern ein Bild des Erzbischofs in dessen bischöflichem Gewand in sein Büro hängen können.