Magdeburg l Es passiert nicht jeden Tag, dass alle drei Bereiche des Dezernats 33 des Landeskriminalamts (Ermittlungsunterstützung) - Telekommunikationsüberwachungsstelle (TKÜ), Technische Einsatzgruppe (TEG) und Untersuchung in digitalen Netzen - an ein und demselben Fall mitwirken. Doch bei den Ermittlungen, bei denen die Erpressung eines Naumburger Geschäftsmanns im Mittelpunkt standen, war das der Fall.

Das Opfer sollte mehrere Millionen Euro lockermachen, andernfalls wurden ihm und seiner Familie mit "Konsequenzen" gedroht, war die Essenz eines Schreibens. Für weitere Kontakte sollte sich der Naumburger eine vom Täter vorgegebene E-Mail-Adresse einrichten. Was der Erpresser nicht wusste, war, dass das LKA die Adresse einrichtete und überwachte. Als sich der Täter erneut meldete, wurde sein Standort durch das dritte Standbein des Dezernats, die Untersuchungsgruppe digitale Netze, lokalisiert.

Doch der vermeintlich schnelle Erfolg entpuppte sich als zu früh gefreut. Denn die Adresse war eine Gaststätte mit öffentlichem Computerzugang. Dezernatsleiterin Petra Paulick: "Nun wurde die TEG ins Boot geholt. Sie installierte eine getarnte Kamera in unmittelbarer Nähe des Restaurants."

Nachdem sich der Erpresser erneut gemeldet hatte, wurde anhand der Aufzeichnung überprüft, wer kurz zuvor das Lokal betreten hatte. Es war ein junger Mann mit auffälligem Basecap.

Recherchen im Internet durch das Dezernat landeten einen Treffer. Der "Basecap-Mann" tummelte sich auf der Seite eines sozialen Netzwerks und ging dort - zum Glück für die Ermittler - mit seinen persönlichen Daten sehr offenherzig um.

Die TKÜ schaltet sich in die nun bekannte Telefonnummer des Mannes. "Wir wollten erfahren, ob es ein Einzeltäter war." Nachdem sich das bestätigt hatte, waren die Beamten der Polizeidirektion Süd (Halle) zur Stelle, als der Verdächtige erneut an den Computer wollte.

Am bekanntesten innerhalb der drei Teilbereiche des Dezernats dürfte die TKÜ sein oder bildlich gesprochen: das Ohr in der Telefonleitung. "Natürlich läuft da nichts ohne richterlichen Beschluss", sagt die Polizeioberrätin. Auch auf diesem Gebiet sei das LKA zumeist Dienstleister für die Ermittler in den drei Polizeidirektionen des Landes.

"Es ist ganz klar umrissen, für welche Delikte eine Überwachung angeordnet werden kann", so Paulick. Und die liegen nicht im Kleinkriminellen. TKÜ ist unter anderem möglich bei Hochverrat, Geldfälschung, Mord, Geiselnahme, Kinderpornografie und Entführung.

Die Zahl der Überwachungen ist im vergangenen Jahr zum ersten Mal seit 2007 angewachsen und liegt mit 673 etwa auf dem Niveau von 2006 (681).

Bei der TKÜ geht es nicht nur um die klassischen Telefonate, die vom jeweiligen Netzbetreiber an das LKA übersandt werden.

Die Aufbereitung der "Datenströme" geschieht völlig automatisch. Sogenannte Datenpakete - aufgesplittete Teile von Gesprächen, auch unterschiedlichster Fälle - werden über das Netz an die Spezialermittler geschickt. Dort werden die "Pakete" wieder zusammengesetzt.

Die technische Ausstattung ist vom Feinsten und nicht die preiswerteste. Sie reicht von elektronischen Geräten, die eingehende Daten ver- oder entschlüsseln (Kryptoboxen), über elektronische Sperren (Firewalls) bis zu sogenannten Hochverfügbarkeitsservern, deren ununterbrochener Betrieb gewährleistet ist.

Über der Technischen Einsatzgruppe schwebt der Hauch des Geheimnisvollen. Denn die Experten sind auch dafür zuständig, "Gegenstände zu präparieren", wie es in nüchternem Polizeideutsch heißt. Dazu gehören der Einbau von Minikameras in Knopflöchern und die "Verkabelung" von verdeckten Ermittlern.

Auch sogenannte mechanische oder elektronische Täterfallen - bessere Alarmanlagen - gehören zum Geschäft der Gruppe. Betritt ein Täter einen Bereich, wird ein Signal ausgesandt. Mechanische Fallen werden zum Beispiel bei Treibstoffdiebstählen eingesetzt. Berührt der Täter eine präparierte Stelle, wird Alarm ausgelöst.

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