Magdeburg. "Es gibt eine kleine Geschichte, die die Arbeit des Mobilen Einsatzkommandos auf den Punkte bringt", erzählt Frank Held, amtierender Chef der Abteilung 3 des Landeskriminalamts und somit auch zuständig für das MEK. "Ein Foto zeigt viele Menschen auf einem öffentlichen Platz. Die Frage lautet: Wer von diesen Leuten gehört zum MEK. Erst, wenn man auf die Personen deutet, weiß man es: Menschen wie du und ich."

Unauffälligkeit ist an uns das Auffälligste, lautet die Philosophie dieser mehr als 50 Mann starken Gruppe des LKA, mit Standorten in Magdeburg und Halle. Ihr Spezialgebiet ist das Observieren. Und darin sind sie wahre Meister.

Den Männern und Frauen steht ein umfangreiches Repertoire von Hilfsmitteln zur Verfügung. Dazu gehören Perücken und Bärte ebenso wie "Wendejacken", die man mal "links" und mal "rechts" tragen kann, sowie ein großer Fuhrpark mit Fahrzeugen vom Fahrrad bis zur S-Klasse.

Und der Kriminaloberrat erinnert sich ganz genau an einen eigenen "Vermummungsfall". "Es war eine Drogensache." Er habe vor dem Städtischen Klinikum in Magdeburg-Neu-Olvenstedt im Rollstuhl gesessen. "Unter der Decke auf meinen Knien lag die Akte mit dem Foto des Verdächtigen, um den Mann zu identifizieren."

Festnahmen sind nicht unbedingt "das Ding" der MEK-Leute. Und Held erklärt auch klipp und klar, warum: "Natürlich ist das Mobile Einsatzkommado auch ausgebildet, Personen festzunehmen. Aber bei solchen Aktionen fliegt zumeist die Identität der Ermittler auf."

Danach gebe es Protokolle mit Namen. Und diese würden auch der "Gegenseite" (den Anwälten der Verhafteten, d. Red.) nicht unbekannt bleiben. "Außerdem besteht immer die Gefahr, dass die Beamten wiedererkannt werden."

Die Spezialisten vom MEK seien so etwas wie die "Chamäleons" des LKA, heißt es. "Sie verschmelzen mit ihrer Umgebung", so der 49-jährige Held. Das Ziel sei, dass sie nicht wahrgenommen werden.

Um in den Reihen des Mobilen Einsatzkommandos aufgenommen zu werden, muss man spezielle charakterliche und körperliche Eigenschaften besitzen. So komme es in Bezug auf tödliche Gewalt darauf an, "nicht zu lax, aber motiviert" damit umzugehen. Insgesamt lasse man innerhalb der Spezialeinheit "keine Extreme zu". Natürlich habe auch der Arzt ein gewichtiges Wörtchen mitzureden: Brillenträger ausgeschlossen.

Wer durchkommt, gehört zu einer Elite-Truppe der Kriminalpolizei. Doch für einige ist das selbstgesteckte Ziel zu hoch. Und mancher, der mit dem Einsatz im MEK geliebäugelt hatte, wirft bei der Weiterbildung selbst das Handtuch.

Über ihre Einsätze breiten die MEK-Leute genauso wie über ihre Identität am liebsten den Mantel des Schweigens. Und selbst beim spektakulären und äußerst öffentlichkeitswirksamen "Shoot down" am Ende von zwei Banküberfällen im Mai 2006 stand mehr das Spezialeinsatzkommando (SEK) im öffentlichen Fokus, als das MEK.

Doch war es gerade dem MEK zu verdanken, dass das Fahrzeug von zwei Bankräubern – ein Opel Senator – von der Sparkassenfiliale in Groß Ammensleben (Bördekreis) bis zu einem Garagenkomplex in Magdeburg-Rothensee verfolgt werden konnte. Stephan H. und Lars N. verbarrikadierten sich nach dem Überfall in Garage 13 – ihrem Planungsort und Versteck. Doch das MEK hatte da bereits die "Schwarzen" vom SEK auf die Spur der Verbrecher gelenkt.

Beim folgenden Schusswechsel zwischen dem Spezialeinsatzkommando und den Tätern wurde ein SEK-Mann durch eine Kalaschnikow-Salve schwer verletzt. Lars N. erschoss sich selbst, als er die Ausweglosigkeit der Lage erkannt hatte. Sein Komplize wurde festgenommen und 2006 verurteilt.

Einer der jüngste Fälle, in den – wenn auch ungewollt – Männer des MEK eingebunden waren, ereignete sich 2009. Vieles deutete damals darauf hin, dass es sich am Magdeburger Hegel-Gymnasium um eine "akute Amoklage" handelte. Zwei MEK-Gruppen, die gerade innerhalb eines anderen Falls observierten, bekamen davon Wind. "Abbruch! Abbruch!" funkte der Leiter und alarmierte die Leitstelle. Allerdings stellte sich die "Amok-Lage" später als Missverständnis heraus.