Zerbst l Das Anhaltische Theater Dessau ist ein Spiegel der Zeitläufte. Im Auftrag des Fürsten der Aufklärung, Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau, wird 1798 in Dessau das neu gebaute Hoftheater eröffnet. Bereits 1766 hat er die Gründung eines Hof-orchesters beauftragt. Musiziert und auch schon Theater gespielt wird zunächst im Schloss und auf der "Hochfürstlichen Reitbahn".

Richard Wagner oder Niccolo Paganini sind unter anderem im Theater zu Gast, das 1855 erstmals abbrennt und ein Jahr später wiedereröffnet wird. 1918 wird das Hoftheater in eine Stiftung überführt. 1922 brennt das "Friedrich-Theater", wie es dann heißt, bis auf die Grundmauern ab. Theater und Konzerte gibt es nun wieder auf der "Reitbahn".

Nach dreijähriger Bauzeit wird 1938 der bis heute bestehende Theaterneubau nach einem Entwurf von Friedrich Lipp im Beisein von Adolf Hitler und Joseph Goebbels eingeweiht. Bei einem Luftangriff im Mai 1944 wird das Haus schwer zerstört. Im Anhaltischen Landestheater Dessau hebt sich erstmals im August 1949 wieder der Vorhang. 1950 ist das Theater auch Ort des ersten politischen Schauprozesses in der DDR unter Vorsitz von Richterin Hilde Benjamin.

Anhalt im Namen trägt das Theater wieder seit 1994. Das Landestheater Dessau wird in Anhaltisches Theater Dessau umbenannt. Das Orchester heißt bereits seit 1992 Anhaltische Philharmonie.

Mit mehr als 1200 Plätzen im Großen Haus ist das Fünf-Sparten-Theater eine der größten Bühnen. Ein Superlativ, der die Frage nach den Perspektiven des Theaters vor den Hintergründen der aktuellen demografischen Entwicklung und immer knapper werdenden finanziellen Möglichkeiten der öffentlichen Hand nicht einfacher macht.

Auf die öffentliche Hand - zumindest, was eine unterstützende Förderung betrifft - hoffen für ihre Projekte jeweils auch freie Theatergruppen wie theaterBurg Roßlau e.V., die 2011 den 15. Theatersommer auf der Roßlauer Wasserburg spielten, oder kurtheater bitterfeld e.V. dessau. Der 1993 gegründete Verbund aus professionellen und Laienkünstlern thematisiert in seinem aktuellen Stück "Lappen hoch! Theater - Träume - Tatendrang" kritisch die Situation der eigenen Branche. Sagt aber: Komödianten lassen sich nicht entmutigen - auf Shakespeare oder die Neuberin verweisend.

Auch das Schicksal der Caroline Friederike Neuber (1697-1760), die als Reformerin und Begründerin des modernen Theaters gilt, ist mit Anhalt verbunden. Die Schauspielerin, Dichterin und Theaterprinzipalin, die viele Jahre auch eine feste Bühne in Leipzig hat und unter anderem das Erstlingswerk Lessings aufführt, wird dort 1749 endgültig vertrieben.

1750 kommt die Neuberin-Truppe nach Zerbst. Sie wohnen in der Mühlenbrücke 60, wo heute eine Tafel an den Aufenthalt erinnert, und in der Brüderstraße 24 und spielen im Neuen Haus und im Schloss. Hohe Schulden führen 1751 zur endgültigen Auflösung der Truppe und Abreise aus Zerbst.

Die komplette Serie und das Rätsel gibt es auch im Internet: www.volksstimme.de/anhalt