Stendal/Magdeburg | Hier können Sie die Podiumsdiskussion nachlesen.

19.20 Uhr: Herzlich willkommen zum Liveticker der Podiumsdiskussion "Hat die Dorfschule eine Zukunft?". In wenigen Minuten geht es los. Wir sind gespannt auf die Fragen der Gäste im Saal und natürlich auch auf die Fragen von Online-Nutzern.

19.30 Uhr: Das Podium ist vollzählig. Stephan Dorgerloh, Matthias Höhn, Dr. Dietrich Lührs (Domgymnasium Magdeburg) und Annegret Schwarz (Kreiselternrat Stendal) werden gleich in die Diskussion mit Volksstimme-Chefredakteur Alois Kösters und Redakteurin Uta Elste einsteigen.

19.41 Uhr: Die Gäste im Saal sehen ein Video der Volksstimme zur Lage der Schüler, die in Salzwedel täglich mit dem Bus unterwegs sind.



Hier gibt es die Geschichte auch als Text: Der Schulstress beginnt im Bus.

19.42 Uhr: Sachsen-Anhalt will 75 Zwergschulen schließen. Besonders betroffen davon ist die Altmark, darauf weist Volksstimme-Chefredakeur Alois Kösters noch einmal hin.

19.44 Uhr: Ist eine lange Fahrtstrecke für Schüler hinnehmbar? Annegret Schwarz meint: "Nein." Den Schülern werde mehr zugemutet, als es oft bei den Eltern der Fall ist. 45 Minuten für den Sekundarschulbereich reine Fahrzeit sollten nicht überschritten werden. Dazu kommen die Wartezeiten.

19.45 Uhr: Die Schmerzgrenze in der Schülerbeförderung ist mehr als erreicht, sagt Annegret Schwarz.

19.50 Uhr: Kultusminister Dorgerloh relativiert. Bei den meisten Schülern dauere der Weg von der Schule im Schnitt eine halbe Stunde.

19.52 Uhr: Kann man mit Schülern, die um 4.45 Uhr aufgestanden sind, noch etwas anfangen? Dr. Lührs, Leiter des Magdeburger Domgymnasiums, meint: Eine Stunde Fahrzeit ist im Gymnasialbereich zumutbar, nicht so im Grundschulbereich.

19.56 Uhr: Kultusminister Dorgerloh verkündet gute Aussichten: Bei den Rahmenbedingungen für Gymnasien wird sich nichts ändern. Da bleiben die Standorte stabil. Zweite gute Botschaft: Bei den Sekundarschulen gilt das Gleiche. Die Bedingungen von 2008 werden 2017 fortgeschrieben. Nur drei Standorte müssen stabilisiert werden. Auch bei den Berufsbildenden Schulen sieht Kultusminister Dorgerloh gute Zahlen. Nur bei den Grundschulen sei bisher nichts geschehen, die Sonderregelungen hätten sich zu lange aufgestaut. Jetzt müsse eben geschaut werden. Nirgendwo in Europa habe es im Vergleich einen solchen demografischen Abbruch gegeben wie hier in Sachsen-Anhalt. Es handele sich um eine sogenannte Unterjüngung.

19.59 Uhr: Ist schon konkret mehr Geld eingeplant für besseren und hochwertigeren Schülertransport? Dorgerloh: "Wir werden natürlich nicht mehr Schüler transportieren. Das Fahren muss man sich im Detail anschauen. Das wäre jetzt ein Stochern im Nebel. Wir werden auch über Schuleinzugsbereiche reden, das ist in Salzwedel anders als im Jerichower Land. Dabei spielt auch die Schülerprognose eine Rolle."

20.02 Uhr: Ohne den Schülerverkehr würde es den öffentlichen Nahverkehr gar nicht mehr geben. Das muss man zusammensehen, macht der Kultusminister deutlich.

20.03 Uhr: Matthias Höhn kritisiert, dass es bei der Schulentwicklung nicht nur um den Standort geht: "Wir decken den Lehrerbedarf gerade so ab, wie wir ihn brauchen. Aber an einigen ist die Unterdeckung mit Lehrerstellen schon sichtbar." Denn auch Gymnasien und Sekundarschulen können nicht erhalten werden, wenn es dem Land an Lehrern fehlt, die das Ministerium noch entlassen will.

20.08 Uhr: Dr. Lührs kritisiert die Entlassung von Wissenschaftsministerin Birgitta Wolff und erntet dafür leises Tischklopfen aus dem Saal. Kritik sei derzeit besonders nötig. Denn auch Lührs kennt das Problem des Lehrermangels. Auch an Gymnasien sei Unterricht schwerlich durchzuführen, wenn für eine Stufe fünf Lehrer fehlen.

20.10 Uhr: Mit sinkender Bevölkerung, mit den Fragen der sinkenden Berufstätigkeit, mit zurückgehenden Drittmitteln wird Sachsen-Anhalt in den nächsten Jahren einen Haushalt haben, der 1,3 Milliarden Euro weniger wert ist als bislang. Wenn man zwischen dünn und dicht besiedelten Gebieten unterscheidet, dann gehe Sachsen-Anhalt in der Schulentwicklung einen sehr sanften Weg. Die Schüler-Lehrer-Relation liege derzeit bei 11,45 (ohne Lehrer in Altersteilzeit, aber mit den "überschaubaren" Lehrer in der Verwaltung). 2019 wird die Relation ungefähr bei 13,5 liegen, sagt Dorgerloh.

20.12 Uhr: Sachsen-Anhalt hat einen Altersdurchschnitt von 51,6 Jahren. Deshalb sei es Aufgabe, in Zukunft den Altersdurchschnitt zu senken. Man habe die Lehrer behalten, auch wenn sich die Schülerzahlen in den vergangenen Jahren halbiert haben, erklärt Dorgerloh.

20.16 Uhr: Die Eltern monieren immer wieder die Ausfallstunden. Annegret Schwarz kann nicht nachvollziehen, dass es da keine Änderungen gibt. Unverständlich ist auch, dass das Land Lehrer abbauen will, obwohl es die Lücke noch immer gibt.

20.18 Uhr: Wenn Dorfschulen wie die in Dobberkau geschlossen werden sollen, geht nicht nur Bildung verloren. Vielen Dörfern gehe auch ein großer Teil der Kultur verloren, denn die Schulen seien bei Dorfveranstaltungen auch vor Ort. "Wenn wir nicht in unsere Kinder investieren, wo sollen wir dann überhaupt noch investieren?", fragt sich Annegret Schwarz.

20.25 Uhr: Matthias Höhn hütet sich davor, den Erhalt der Schule in Dobberkau zu versprechen. Er könne es jetzt auch nicht mehr ändern. Selbst wenn Die Linke beantragen würde, die Lehramtsabsolventen aus Sachsen-Anhalt einzustellen, wäre das Loch im Schulnetz nicht mehr zu füllen, dazu habe die Personalpolitik des Landes für die nächsten Jahren unveränderlich geführt.

20.35 Uhr: "Wo bestehen noch Ausnahmemöglichkeiten?", fragt Annegret Schwarz an Stephan Dorgerloh. Hinweise würden gesammelt, meint der Kultusminister, ohne ins Detail zu gehen. Anfang Mai will man sich öffentlich äußern. An den Mindestschülerzahlen werde sich aber nichts ändern.

20.37 Uhr: Das Land wird die Schuleinzugsgebiete nicht ändern, das werden die Schulträger tun (Antwort auf die Frage unseres Facebook-Users Marcus Schreiber) Bis zum 31. Januar 2014 können noch Vorschläge eingereicht werden.

20.39 Uhr: Dritte Klasse per Skype unterrichten oder einen jungen Lehrer, der noch nicht voll examiniert ist - das gibt es ja alles längst, sagt Dorgerloh.

20.40 Uhr: Jetzt werden die Fragen der Zuschauer beantwortet:
Herr Schönwald fragt, warum wir nicht wie früher auch in Deutschland mehr Geld für die Bildung ausgeben als es derzeit der Fall ist? Dr. Lührs antwortet: Viele Schulen lohnen sich in der Privatwirtschaft zum Beispiel erst, wenn sie zweizügig sind. Selbst bei genügend Lehrern muss man Abstriche machen. Manche Standorte sind einfach nicht mehr zu halten.

Dorgerloh sagt: 7500 Euro werden in Sachsen-Anhalt pro Schüler ausgegeben. Und das bei der herrschenden Verschuldung. Das sei eine Herausforderung, das Land leiste sich hier einiges. Aber die vergessenen Hausaufgaben der vergangenen Jahre fallen dem Land jetzt auf die Füße, vor allem wenn die Kinderzahlen nicht steigen.

20.54 Uhr: René Schernikau fragt - im Saal und auf Facebook -, welche Qualität es bei der Schulbildung in Sachsen-Anhalt geben soll und wie das finanziert wird?

Minister Dorgerloh antwortet: Die Gespräche laufen im Land. Es ist noch ein dreiviertel Jahr Zeit, um Pläne zu entwickeln. In dieser Zeit müssen die Gemeinden auch ihre Prioritäten nennen.

Matthias Höhn meint: Im Regelfall ist es so "Wir schneiden erst ab, und messen dann!" Seit Jahren gebe es im Land die Situation, dass Entscheidungen nur auf Grund der Haushaltslage getroffen werden, aber nicht über Folgen nachgedacht wird. Die Bedarfsdiskussion werde im Landtag viel zu wenig geführt - oft mit einem fiktiven Benchmarking.

21.05 Uhr: Herr Zimmer (Vorsitzender des Landesverbands der privaten Schulträger) fordert im Saal, das Kultusministerium halb aufzulösen und stattdessen die Lehrer wieder unter Führung der Kreise zu stellen. Allerdings wären die finanziellen Diskussionen unter einer solchen wohl nicht anders.

21.07 Uhr: Den Kommunen die Verantwortung zu übertragen? Die Frage komme stets wieder - und wird auch wieder begraben, sagt Minister Dorgerloh. Denn es ist ja auch unklar, wie man die Lehrer überzeugt, aufs Land zu gehen.

21.13 Uhr: Geht es nach Herrn Trump im Saal, sollen die Lehrer zu den Schulen fahren und nicht die Kinder. Das war laut Minister Dorgerloh schon 2011 in der Debatte und man habe sich dagegen entschieden. Aus Sicht des Ministeriums sei es kein Konzept mit Zukunft gewesen.

21.17 Uhr: Für Herrn Tempel im Saal ist Schule auch Dorfgemeinschaft. Was passiert dort? Dorgerloh: Es gibt eine intensive Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr. Aber man werde nicht umhin kommen, Strukturfragen so zu entscheiden, wie sie jetzt entschieden wurden.

21.20 Uhr: Frau Teil im Saal ist besorgt über die Festlegung für die Förderschulen. Lange Fahrzeiten seien hier nicht tragbar. Minister Dorgerloh entwarnt: 90 Kinder als Mindestgröße gelte nur für die LB-Schulen.

21.22 Uhr: Welche Finanzierungshilfen gibt es für Schulen, die weiter existieren werden? Minister Dorgerloh: Alles, was bis 2030 bestandsfähig ist, solle auch saniert werden. Aber eigentlich ist es keine Aufgabe des Landes, sondern des Schulträgers. Auch wenn die Lage der Kommunen klar sei. Die Landkreise müssen in der Pflicht gehalten werden.

21.23 Uhr: Die Wahlplakate "Wir streichen keine Schule" sind im Saal und auf Facebook angesprochen worden. "Das war der Versuch zu sagen: Wir wollen die Schulen bestandsfähig halten", sagt Dorgerloh. Aber die EU verlange, dass Schulen saniert würden, die in den nächsten 15 bis 20 Jahren auch noch da sind.

21.28 Uhr: Stephan Dorgerloh: Die heute geborenen Kinder in Dobberkau werden bei ihrer Ausbildung nicht benachteiligt sein, weil sie tolle Lehrerinnen und Lehrer haben, die sie qualifiziert ausbilden.

21.30 Uhr: Die Kinder, die 2025 in die Schule kommen, werden sich gern an ihre Schulzeit erinnern, "... weil wir uns alle gern an unsere Schulzeit erinnern (Annegret Schwarz)".

21.31 Uhr: Damit ist das Forum beendet. Wir danken allen im Saal und online für die Aufmerksamkeit.

Mehr zum demografischen Wandel in Sachsen-Anhalt lesen Sie im Volksstimme-Dossier "Das Land im Wandel".