Neuermark-Lübars (asr) l Zwei Wochen lang war das Dorfgemeinschaftshaus in Neuermark-Lübars die Einsatzzentrale. Mitglieder des ehemaligen Gemeinderates und andere hatten hier nach dem Deichbruch Position bezogen, anfangs rund um die Uhr, in den letzten Tagen bis Mitternacht und ab morgens. Sonntagabend konnten sie ihre Zelte abbrechen und in einen den Umständen angepassten Alltag starten.

Etwa 70 Dorfbewohner waren nach der Evakuierung zurückgeblieben, die meisten Männer. Anfangs brachte die Bundeswehr mit dem Schwimmpanzer Lebensmittel, auch über Hohengöhren wurden Essen und Getränke in das Insel-Dorf geschafft. Als der Panzer wegen der defekten Brücke über den Trübengraben bei Klietz nicht mehr fahren konnte, setzten die Neuermark-Lübarser mit dem Boot über den See - das Stück bis zur B107 am Klietzer Ortseingang konnten sie mit dem Auto fahren. Das Boot hatte Helmut Lemme besorgt, den Motor Achim Groß. An der provisorisch am "Seeblick" gebauten Anlegestelle nahmen sie die Verpflegung vom DRK entgegen und Dinge, die sie bestellt hatten.

Seit Wochenbeginn können höhergelegte Fahrzeuge über Hohengöhren wieder in den Klietzer Ortsteil rollen. Fast alle Dorfbewohner sind inzwischen zurück. Die Stromversorgung ist mit einem großen Notstromaggregat gelöst.

Zu den Mahlzeiten hatten sich die meisten Gebliebenen am Dorfgemeinschaftshaus versammelt. Hier behielt meist Helmut Pauli in der Küche den Überblick. Es wurden auch Speisen zubereitet - die Kühltruhen gaben genug her. Sogar Hefekuchen stand auf dem Tisch. Den hatte Gitti Polarek noch zubereitet, abbacken konnte sie ihn wegen der plötzlichen Evakuierung nicht mehr. Sie brachte das Blech zum Gemeinschaftshaus, wo die Männer mehr schlecht als recht versuchten, ihn zu backen. "Ein bisschen verbrannt - aber uns hat\'s geschmeckt", waren die Neuermarker nicht wählerisch.

 

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