Die Volksstimme sucht mit ihren Lesern traditionell zum Jahresende den Magdeburger des Jahres. Bis zum 31. Dezember läuft die 19. Auflage der Aktion, die engagierte Magdeburger in den Mittelpunkt rückt. Eine davon ist Janin Niele. Sie hat im vergangenen Sommer zum Open-Air-Festival "Rock im Stadtpark" eingeladen.

Magdeburg. Janin Niele strahlt über das ganze Gesicht: Ihr "Headliner" für "Rock im Stadtpark 2011" steht fest. Sie konnte die Band "Wir sind Helden" für einen Auftritt in Magdeburg gewinnen. "An dem Tag, als ich meine Prüfung bei der IHK abgelegt habe, hat das Management zugesagt", erzählt die 19-Jährige im Volksstimme- Gespräch. Damit wird das Festival wieder einen großen Schritt nach vorn machen.

Janin Niele hat sich Großes vorgenommen und damit klein angefangen – das allerdings mit einem beispielhaften Willen.

Als sie 15 Jahre alt ist, heißt ihre absolute Lieblingsband "Blickfeld". Die Musiker kommen aus Braunschweig, und Janin Niele hat sie zum ersten Mal auf dem Sachsen-Anhalt-Tag in Haldensleben gesehen. "Für mich war sofort klar, dass ich Blickfeld unbedingt nach Magdeburg holen muss." Und wenn Janin Niele etwas will, dann tut sie es auch. "Ich bin einfach ganz naiv losgegangen, habe Flyer, die ich selbst hergestellt habe, in Magdeburg verteilt und habe in vielen Geschäften nachgefragt, ob sie das Konzert nicht vielleicht sponsern könnten."

Die Sache klappt, "Blickfeld" treten im "Stern" auf. Das war im April 2007 und Janin Niele war gerade 16 Jahre alt. Da es so gut geklappt hat, wagt sie sich, wieder mit der Band "Blickfeld", daran, schon vier Monate später das erste Festival zu veranstalten. Weil Janin Niele vor dem Gesetz noch minderjährig ist, braucht sie allerdings einen Geschäftspartner, einen Erwachsenen. "Ich durfte ja noch nichts unterschreiben, keine Verträge machen."

Die Veranstaltung gelingt. "Rock im Stadtpark" ist geboren. Jetzt steht für Janin Niele fest, dass sie Musikveranstaltungen organisieren will. "Ich hatte mit 15 schon meinen Berufswunsch gefunden. Als die anderen noch ,Bravo‘ gelesen haben, habe ich mir Bücher über Rockfestivals und Betriebswirtschaft reingezogen."

Harte Probe

2008 spielen bei "Rock im Stadtpark" unter anderem "Jennifer Rostock". Die Band ist gerade angesagt und ein guter Griff von Janin Niele. Das Publikum kommt zum Festival, wieder wird ihre Risikobereitschaft belohnt. "Viele Menschen haben Träume, trauen sich aber nicht, sie umzusetzen. Ich finde, Träume sind dazu da, verwirklicht zu werden", beschreibt Janin Niele eines ihrer Lebensprinzipien.

Dieses wird dann aber 2009 auf eine harte Probe gestellt. Janin Niele ist 18 Jahre alt und voll geschäftsfähig. "Das finanzielle Volumen war von rund 8000 Euro beim ersten Festival auf 60 000 Euro beim dritten hochgeschnellt. Das war zu schnell zu viel." Am Ende bleibt Janin Niele als alleinhaftende Jungunternehmerin auf 25 000 Euro Miesen sitzen. Eine bittere Erfahrung. "Der Grund dafür war, dass ich nicht alles selbst in der Hand hatte." Es gab Probleme mit der Gastronomie auf dem Festivalgelände und lange Zeitverzögerungen zwischen den einzelnen Auftritten. Das finanzielle Desaster wirft die 18-Jährige aber nicht aus der Bahn. "Ich habe mehrere Jobs gleichzeitig angenommen, damit ich die Schulden bezahlen kann. Ich wollte meine Vertragspartner auf keinen Fall enttäuschen", sagt sie. Und analysiert genau, was schiefgelaufen war. "Das mache ich nach jeder Veranstaltung, nur so kann man Schwierigkeiten begegnen."

Zwischendurch beendet Janin Niele die Schule mit dem Fachabitur und beginnt eine Ausbildung bei einem Veranstaltungsunternehmen. "Das hat leider nicht funktioniert, weil ich die ganze Zeit nur an der Rezeption gesessen habe und Post zukleben musste." Für eine echte Macherin nicht gerade die Erfüllung. Sie gibt diesen Job auf, aber nicht die Ausbildung. Mit Hilfe der IHK kann sie den Beruf der Veranstaltungskauffrau erlernen und dafür die Prüfung ablegen.

Großes Ziel

Die vierte Auflage von "Rock im Stadtpark" wird wieder ein voller Erfolg. Der Sänger Bosse kommt und die Band "Madsen". Und das Festival ist gewachsen, es findet jetzt an zwei Tagen statt. "Aus den Fehlern 2009 habe ich gelernt und einiges anders gemacht. Und vor allem hatte ich die Kontrolle. Bei so einer Veranstaltung kann es nicht demokratisch zugehen, einer muss immer sagen, wo es lang geht. Wenn ich das komplette Risiko habe, bin ich es dann eben." Aber Janin Niele ist ihren vielen Freunden auch sehr dankbar. "Ohne die geht nichts. Ohne die vielen Ehrenamtlichen, die Spaß an so einem Festival haben, könnte ich das nicht machen." Und nicht ohne ihre Mutti Tessi und ihre Oma und ihren Opa. "Die unterstützen mich, wo sie können und sagen mir auch schon mal, wenn ich etwas langsamer angehen soll."

Mit ihrem jungen Unternehmen organisiert Janin Niele bereits zahlreiche Veranstaltungen, ihr "Baby" ist jedoch vor allem "Rock im Stadtpark". Geld verdienen kann sie damit noch nicht, aber sie hat einen Traum: "Ich möchte ,Rock im Stadtpark‘ so groß und bekannt machen, wie ,Rock am Ring‘ oder das Hurricane-Festival. Die haben auch klein angefangen. Ich will, dass die internationalen Bands und die Besucher zu einem großen Festival nach Magdeburg kommen", sagt die 19-Jährige. Und wer die jung Frau aus Möser kennt, kann sich gut vorstellen, dass sie alles daran setzen wird, dass dieser Traum keiner bleibt.