Die Volksstimme sucht mit ihren Lesern traditionell zum Jahresende den Magdeburger des Jahres. Bis zum 31. Dezember läuft die 19. Auflage der Aktion, die engagierte Magdeburger in den Mittelpunkt rückt. Einer davon ist Klaus Beyer. Er engagiert sich seit Jahrzehnten für das Wandern und schuf in diesem Jahr mit Gleichgesinnten die ersten beiden offiziellen Wanderwege der Elbestadt.

Magdeburg. Klaus Beyer kann die Füße nicht stillhalten. Am Rucksack des 65-Jährigen mit den blitzenden Augen und dem buschigen Schnauzbart baumeln bunte Plaketten. Die Zahl "20 000" steht auf der obersten. So viele Kilometer ist Beyer bereits gewandert, seit er 1994 mit seinen Aufzeichnungen begann – ein Mal um die halbe Welt.

"Zweckfreies Gehen in der Landschaft", wie der Deutsche Wanderverein das Wandern definiert, ist nicht erst seit dem Pilgerreisen-Boom "in". Es läuft gut, auch bei der Magdeburger Wanderbewegung. 2009 hatte sie 429 Wanderungen im Angebot, an denen rund 6000 Menschen teilnahmen – das entspricht rund 15 Teilnehmern pro Wanderung.

15 Wanderleiter ermöglichen es dem Verein, quasi täglich Touren durch die Stadt und ins Umland anzubieten. Wohin Schusters Rappen tragen, entscheiden die Leiter selbst. Von den Parks der Stadt über die Kreuzhorst bis in die Region mit Harz, Luther- und Jakobusweg sind die Wanderfreunde auf Tour.

Klaus Beyer wanderte schon (fast) überall: In Magdeburg könnte man ihn mit verbundenen Augen in einer kleinen Nebenstraße absetzen, er wüsste immer, wo er ist. In Sachsen-Anhalt kennt er "jede Ecke", und abgesehen von Australien und Ozeanien war der 65-Jährige schon auf jedem Erdteil unterwegs, bei Sonne und Schnee, auf Sand und Schnee, am Meer und im Gebirge, über Stock und Stein, immer mit dem Finger auf der Landkarte. "Am schönsten", sagt Beyer, "wandert es sich aber doch zu Hause. "Er und die anderen rund 180 Vereinsmitglieder werden nicht müde, mit übers Jahr verteilten Abendwanderungen auch die letzte Ecke Magdeburgs zu erkunden – bei jedem Wetter, versteht sich. Wann sonst kommt der Westerhüser schon mal nach Neu-Olvenstedt? Hier gibt es genug Parks und Sehenswürdigkeiten, findet Klaus Beyer, der die Veränderungen im Magdeburger Stadtbild über die Jahre beobachtet wie kaum ein Zweiter.

Plötzlich wandern Touristen in Magdeburg

Was ist das eigentlich für einer, der Beyer? 1945 in Leipzig geboren, lernt er in Eisenhüttenstadt den Beruf des Zimmermanns und macht in der Abendschule den 10.-Klasse-Abschluss. 1963 kommt er nach Magdeburg, um hier ein Lehrmeisterstudium für Betonbau aufzunehmen und bleibt der Liebe wegen ab 1967 endgültig in der Elbestadt. Eigentlich mit dem Radsport großgeworden, entdeckt Klaus Beyer hier den Orientierungslauf für sich, fährt zu Wettkämpfen sogar ins Ausland und engagiert sich ehrenamtlich im Bezirksfachausschuss Wandern-Bergsteigen-Orientierungslauf, dessen Vorsitzender er 1980 wird. Bis 1984 unterrichtet er als Übungsleiter Kinder. Nach der Wende gehen Bergsportler und Orientierungsläufer ihren eigenen Weg, und Beyer, mittlerweile begeisterter Wanderer, gründet 1994 mit Gleichgesinnten die Wanderbewegung Magdeburg.

"Wir verstehen uns auch als Botschafter für Magdeburg und wollten unbedingt etwas für den Tourismus tun", sagt Klaus Beyer, der immer Prospekte über Magdeburg im Rucksack hat und im Ausland kräftig die Werbetrommel für die Elbestadt rührt. Sein Verein arbeitet mit Krankenkassen, Hotels und Tourismusverbänden zusammen und führt regelmäßig Besuchergruppen durch Magdeburg, Ausführungen über Stadt- und Baugeschichte inklusive. Mit seinen Wanderfreunden arbeitete er ein Jahr lang an der Etablierung zweier offizieller Wanderwege, von denen es deutschlandweit 250 gibt. In der Gaststätte Seilerwiesen fanden sie eine Start-Ziel-Einrichtung, liefen die 13 und 17 Kilometer langen Wege entlang der Elbe mit dem Rollmessrad ab, holten sich die nötigen Genehmigungen bei der Stadt und markierten die Wege.

Beyers Ziel: Einmal die Erde umrunden

Inzwischen kamen mehrfach Touristen nach Magdeburg, nur um diese Wege entlangzuwandern. "Das macht mich stolz", sagt Klaus Beyer, der seit dem 1. November im Ruhestand ist und jetzt noch einmal einen Schritt zulegen will. "Unsere Turnhalle ist die Natur", sagt Klaus Beyer. Wandern hält fit und ist gesund, man lernt Flora und Fauna, Land und Leute kennen. "Immer wichtiger wird der soziale Aspekt", weiß er. Viele Menschen entfliehen mit dem Wandern in der Gruppe dem Alleinsein in den eigenen vier Wänden, finden in der Gemeinschaft neues Glück. Beyer ist kein religiöser Mensch, aber das Wandern hat für ihn etwas Beruhigendes. "Ich fühle mich dann losgelöst vom Alltag und vom Stress", sagt Klaus Beyer, der nur einmal in seinem Wanderleben Blasen an den Füßen hatte.

"Wenn man mich will, mache ich noch zehn Jahre den Vereinsvorsitzenden", sagt Klaus Beyer, bei dessen Wanderlust kein Ende abzusehen ist. Bis dahin hat er die Erde dicke einmal umrundet und mit seinem eigentlich zweckfreien Gehen ganz nebenbei jede Menge Werbung für die Wandermetropole Magdeburg gemacht.