Ein leitender Mitarbeiter des Ki.Ka soll mit fingierten Rechnungen – und mit Hilfe eines Komplizen in einer Berliner Firma – einen Schaden von vier Millionen Euro verursacht haben. Wie konnte das geschehen? Im dpa-Interview äußert sich MDR-Intendant Reiter erstmals detailliert zu dem Fall.

Frage: Herr Reiter, die Unregelmäßigkeiten im Ki.Ka liefen fünf Jahre lang, ohne dass sie aufgefallen sind. Gab es keine Kontrollen?

UdoReiter: "Im fraglichen Zeitraum haben die Landesrechnungshöfe von Rheinland-Pfalz und Thüringen den Ki.Ka geprüft. Außerdem gab es Kontrollen der Revisionsabteilungen von HR, MDR und ZDF. Dabei gab es zwar einige Beanstandungen, aber keinerlei Hinweise auf diesen Betrugsfall. Die Kontrollen, die es natürlich gab, haben offensichtlich nicht ausgereicht und müssen künftig verstärkt werden."

Frage: Hätte nicht wenigstens ein Teil der 72 fingierten Rechnungen auffallen müssen?

Reiter: "Der Beschuldigte ist ein Mitarbeiter der ersten Stunde, der den Ki.Ka mit aufgebaut hat und jeden Winkel des Senders kannte. Dazu kam seine relativ hohe Position. Er war der zweite Mann im Sender. Das hat er wahrscheinlich rücksichtslos ausgenützt und alle Kontrollen und Warnmechanismen umgangen. Es wird nun untersucht, wie das ging und ob dabei Druck auf einzelne Mitarbeiter ausgeübt wurde.

Insgesamt, glaube ich, sind die Kontrollmechanismen, die der MDR beträchtlich verschärft hat, nicht ganz ohne Wirkung geblieben. Wir haben einen Antikorruptionsbeauftragten installiert, bei dem ja auch anonyme Hinweise zum Beschuldigten eingegangen sind. Die Beträge auf den Rechnungen wurden seit dieser Zeit kleiner und möglicherweise hat dieser Druck und die Angst vor Entdeckung auch dazu beigetragen, dass der Komplize in Berlin sich dann selbst angezeigt hat."

Frage: Ist das die Spitze eines Eisbergs? Gibt es weitere Verdachtsfälle?

Reiter: "Jetzt wird natürlich jeder Beleg überprüft und dreimal umgedreht. Ich gehe davon aus, dass im Januar dann ein detaillierter Bericht vorliegt. Wir arbeiten eng mit den Ermittlungsbehörden und mit dem ZDF zusammen und haben zusätzlich eine auf Wirtschaftskriminalität spezialisierte Anwaltskanzlei eingeschaltet. Es gibt derzeit aber keine Hinweise, dass andere Mitarbeiter verwickelt sind."

Frage: Welche Konsequenzen zieht der MDR und wer trägt die Verantwortung?

Reiter: "Es macht keinen Sinn, aus moralischer Entrüstung nun schnell neue Paragrafen auszurufen und mit blindem Aktionismus zu reagieren. Aber es ist klar, dass es eine weitere Verschärfung der Kontrollmechanismen und der Regeln insgesamt geben muss. Dabei geht es unter anderem um weitere Sicherungen bei der Rechnungsprüfung. Es reicht nicht aus, nur auf die Formalien zu achten, man muss jede Position auch inhaltlich prüfen. Dadurch wird zwangsweise eine zusätzliche Bürokratisierung entstehen, die das Programmmachen bestimmt nicht erleichtert. Das ist das Fatale daran: Ein Schurke diskreditiert ein insgesamt vernünftiges System und die anständige und erfolgreiche Arbeit vieler Mitarbeiter. Eine persönliche Verantwortung einzelner Personen über den Betrüger hinaus kann ich derzeit nicht erkennen."

Frage: Wie wollen Sie den Ruf des Ki.Ka wiederherstellen?

Reiter: "Ich denke, unser Publikum weiß, was es am Ki.Ka hat und lässt sich durch die kriminelle Aktion eines Einzelnen nicht den Blick aufs Ganze verstellen. Aber natürlich ist es extrem ärgerlich, auch für mich persönlich. Ich habe damals den Ki.Ka nach Erfurt geholt und immer eine besondere Beziehung zu diesem Programm gehabt. Wir werden weiter gute Sendungen machen und alles tun, damit sich ein solcher Fall nicht wiederholen kann."