O Schreck, das Streusalz wird knapp. Nun hat die Suche nach den Schuldigen begonnen. Sind es die Kommunen, die nicht planen können? Ist Abzocke im Spiel? Oder ist alles nur Panikmache?

Berlin (dpa/kc). Für den Mann auf der Straße – der eisglatten Straße – ist die Sache klar: "Diese Zustände sind katastrophal!" So schimpft gestern Rüdiger Kendziora (52) aus Bonn. Immer öfter heißt es, Streusalz werde knapp. Seine Meinung: Die Kommunen sparen an der falschen Stelle.

Einspruch aus Oberhausen. Knappe Kassen sind kein Grund für knappes Streusalz, sagt Rainer Suhr, Sprecher der Revierstadt mit gigantischem Schuldenberg. "Wenn die vertraglich zugesicherten Mengen pünktlich geliefert würden, hätten wir auch weiterhin keine Probleme."

Und warum wird nicht geliefert? Teilweise sei es höhere Gewalt, sagt Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes. Wenn der Lastwagen mit dem Salz selbst auf der Autobahn steckenbleibe, könne man nix machen. Teilweise sei es aber auch Abzocke. Plötzlich meldeten sich Lieferanten aus dem Ausland, bei denen die Tonne Streusalz keine 60 Euro, sondern 350 Euro koste.

Sind also die Verkäufer schuld? Keinesfalls, sagt der weltgrößte Salzhersteller K+S aus Kassel. Mengen und Preise würden meist schon im Spätsommer oder Herbst verbindlich festgelegt. Nur wenn darüber hinaus Streusalz benötigt werde, würden die Preise neu verhandelt.

Also ein Planungsfehler der Kommunen? Wie wär’s denn mal damit, größere Mengen Salz für den Notfall vorzuhalten? Alles eine Frage des Geldes, sagt Landsberg. Viele Kommunen hätten nach dem letzten strengen Winter schon doppelt so große Vorräte angelegt. Salz langfristig zu lagern, sei aber teuer, dazu brauche man spezielle Trockensilos. "Aber wenn Sie als Bürgermeister im Sommer bei 30 Grad sagen: "Ich baue jetzt ein Trockensilo und streiche dafür ein paar Kindergartenplätze", tja, dann überlegen Sie sich mal, was dann los ist. Vor zwei Jahren konnten Sie noch in jeder Zeitung lesen: ¿Es gibt keinen Winter mehr.‘"

Landsberg findet die Kritik an den Winterdiensten deshalb billig und ärgert sich darüber. "Mich erinnert das an die Schweinegrippe. Erst hatten wir den Ruf nach Impfstoff, die Diskussion ¿Wer darf als Erster?‘ Und hinterher gab’s die Debatte: ¿Warum wurde denn bloß der ganze Impfstoff eingekauft?‘" So ähnlich wäre es ja wohl auch, wenn sich der Winter jetzt plötzlich verabschieden würde, meint Landsberg.

Die Städte beschränkten sich darum beim Streuen zwangsläufig auf die wichtigsten Straßen, die Rettungswege. Vielleicht müssten die Deutschen auch mal den Mut aufbringen, auf einer geschlossenen Schneedecke mit angepasstem Tempo zu fahren, so Landsberg. Und vielleicht müssten sie auch einfach mal akzeptieren: "Die Natur zeigt uns unsere Grenzen." Mehr Schnee auf den Straßen heißt: mehr Natur in der Stadt. Vielleicht kann man es so sehen.

Rekord-Schneefälle

Mit mehr Schnee rechnen Meteorologen tatsächlich in den nächsten Tagen. "In Bremen, Hamburg und Berlin wird es das schneereichste Weihnachten seit über 100 Jahren werden", sagte Thomas Globig vom Wetterdienst Meteomedia gestern.

Am ersten Weihnachtstag soll es frostig bleiben, deutschlandweit pendeln sich die Temperaturen bei minus ein bis minus sechs Grad ein. Wie der Dienst "wetter.info" berichtet, bleibt es auch am zweiten Feiertag knackig-kalt, nachts können die Werte auf bis zu minus 20 Grad heruntergehen, wenn es aufklart. "Wir werden den Schnee auch noch ins neue Jahr mitnehmen", sagte Globig.