Bilderbuchstart für ein ambitioniertes Projekt: Der deutsche Radarsatellit "Tandem-X" zur dreidimensionalen Vermessung der Erde hat die vorgesehene Umlaufbahn erreicht. Die russisch-ukrainische Trägerrakete mit dem Satelliten hob gestern vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan zu ihrer Mission ab.

Oberpfaffenhofen/Moskau (dpa/kc). Zusammen mit seinem baugleichen Zwilling "Terrasar-X" soll "Tandem-X" drei Jahre lang die Erde umrunden. Dabei sammeln die Satelliten Daten für das weltweit einzigartige dreidimensionale Modell in bisher unerreichter Genauigkeit.

Die Satelliten würden Radarwellen aussenden und die Reflexion messen, sagte Johann-Dietrich Wörner, Vorstandschef des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), dem Radiosender MDR Info. Deshalb seien sie unabhängig von Tag und Nacht oder auch vom schlechten Wetter.

"Terrasar-X" liefert schon seit drei Jahren Daten aus dem All. Sie zeigten unter anderem die Geländeverschiebungen nach dem Erdbeben auf Haiti und nach dem massiven Tagebau-Erdrutsch in Nachterstedt in Sachsen-Anhalt.

"Tandem-X" und "Terrasar-X" werden nun die komplette Erdoberfläche dreidimensional vermessen. Die beiden Satelliten fliegen eng nebeneinander. Sie können so zeitgleiche Aufnahmen des Geländes aus verschiedenen Blickwinkeln liefern. "Dadurch, dass sie in Formation fliegen, ist das wie mit unseren Augen", erklärt Wörner. "Mit zwei Augen kann man dreidimensional sehen, und so werden diese beiden Satelliten auch dreidimensional die Erde anschauen können und deshalb ein Höhenmodell der gesamten Erde erzeugen."

Aus den Daten soll das digitale 3D-Modell der Erde ohne Brüche an regionalen oder Ländergrenzen entstehen. Deutschland werde damit über ein weltweit einmaliges Datenprodukt verfügen, hieß es. Die Genauigkeit beträgt bis zu zwei Meter – das Modell wird damit so detailliert sein wie kein anderes, das von einem Satelliten erstellt wurde.

Es kann zum einen für wissenschaftliche Zwecke verwendet werden: So nutzet das DLR die Daten zum Beispiel in Katastrophenfällen, oder um die Bewegung des Eises in der Arktis zu beobachten oder Vulkanausbrüche zu studieren.

Daneben sollen die Daten weltweit auch kommerziell vermarktet werden. Schon jetzt gibt es nach DLR-Angaben 30 kommerzielle Kunden. Ein Anwendungsgebiet ist die Telekommunikation. Mit dem 3D-Modell können Funkmasten auch in gebirgigen Regionen oder großen Städten mit Hochhäusern optimal gesetzt werden, so dass es weniger Funklöcher gibt.