Berlin (dpa) - Google hat zur Eröffnung seines neuen Berliner Büros eine digitale Bildungsoffensive gestartet. Sundar Pichai, der Chef des Internetkonzerns, sagte, sein Unternehmen setze sich dafür ein, dass jeder Mensch von den Möglichkeiten digitaler Technologien profitieren könne.

In einem Gemeinschaftsprojekt solle nun das bestehende Programm "Google Zukunftswerkstatt" in Berlin weiter ausgebaut werden. Über die "Zukunftswerkstatt" haben nach Angaben von Pichai bisher über 500.000 Menschen in Deutschland an Trainings und Schulungen teilgenommen. Fast 10.000 davon hätten sich allein 2018 anschließend beruflich weiterentwickeln oder selbstständig machen können.

Google kooperiert bei dem Projekt mit der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und den Industrie- und Handelskammern (IHK) für München und Oberbayern sowie Düsseldorf. Dabei sollen Grundlagentrainings zur Vermittlung digitaler Kompetenzen entwickelt werden. Auf Basis einer wissenschaftlichen Studie des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) sollen dann Trainingsformate entstehen, die in einer IHK-Zertifikatsprüfung münden können.

Die Veranstaltungen der Bildungsoffensive finden zum Teil in den neuen Berliner Google-Räumen statt. Mit dem historischen Gropius Ensemble im Forum an der Berliner Museumsinsel bezieht der Konzern erstmals ein eigenständiges Gebäude in der Hauptstadt. Bislang arbeiten dort rund 130 Mitarbeiter, künftig sollen es 300 sein.

"Es ist eine aufregende Zeit, Googler in Berlin zu sein", sagte Firmenchef Pichai. Berlin sei seit langem eine Hauptstadt der Kultur und der Medien. "Mehr und mehr entwickelt sie sich auch zu einem Zentrum der Start-up-Szene und zu einem Innovationsmotor". Mit dieser neuen Bürofläche können wir die Anzahl der Googler, die hier in Berlin arbeiten, mehr als verdoppeln." Insgesamt seien bereits über 1400 Mitarbeiter in vier deutschen Büros tätig, darunter 700 in der Deutschland-Zentrale in Hamburg und 400 im Entwicklungszentrum in München.

Philipp Justus, Zentraleuropa-Chef von Google, betonte die globale Bedeutung des Standorts Deutschland für sein Unternehmen. "Bei uns sind eine ganz Reihe von Tools entwickelt worden, die den Umgang der Nutzer mit den Themen Datenschutz und die Datensicherheit vereinfacht haben." Die europäische Datenschutz-Grundverordnung habe Google im vergangenen Jahr sehr beschäftigt. "Wir haben alle unsere Produkte daraufhin überprüft, ob sie der DSGVO entsprechen." Außerdem habe Google die Nutzer über Veränderungen im Vertragsverhältnis informieren und um Zustimmung fragen müssen.

Zur Aktion der französischen Datenschutzbehörde CNIL, die am Montag ein Bußgeld von 50 Millionen Euro wegen Verstöße gegen die DSGVO gegen Google verhängt hatte, wollte sich Justus nicht äußern. "Wir müssen erst den Bescheid analysieren." Google stehe der DSGVO aber insgesamt positiv gegenüber. "Wir glauben, dass es sinnvoll wäre, ein ähnliches Gesetz in anderen Teilen der Welt zu haben, auch in den USA."

Die Eröffnungsfeier am Dienstagabend wurde von kleineren Protesten begleitet. Etwa 70 Menschen demonstrierten mit Plakaten und lautstarker Techno-Musik gegen den Konzern. Nach Angaben der Polizei kam es zu keinen Zwischenfällen. An der Eröffnungsfeier nahmen neben Konzernchef Pichai und zahlreichen Ehrengästen aus Politik, Wirtschaft und Kultur auch die Staatsministerin für Digitalisierung, Dorothee Bär (CSU) und Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) teil.