Berlin (dpa) - Handy schlägt Fahrrad - wenn sich Kinder in Deutschland etwas wünschen, nennen sie meistens zuerst ein eigenes - oder ein neues - Smartphone.

Das geht aus einer repräsentativen Umfrage über das Konsumverhalten von Heranwachsenden hervor, die am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde. Zwar freuen sich Kinder auch über Fahrräder, Plüschtiere oder Gesellschaftsspiele. Wenn sie aber wählen können, steht bei 41 Prozent der 4- bis 13-Jährigen laut der Kinder-Medien-Studie 2018 ein Smartphone oder Handy an erster Stelle. Bereits knapp die Hälfte (48 Prozent) hat bereits ein Gerät.

Auch Tablets und Computer sowie Spiele für Konsolen stehen hoch im Kurs. Je älter die Kinder sind, desto wichtiger werden die Geräte, sagte Gerd Brüne, Verlagsleiter bei Gruner + Jahr. Für die Studie im Auftrag von sechs Zeitschriftenverlagen über Konsum- und Freizeitvorlieben von Kindern im Alter von 4 bis 13 Jahren wurden 3300 Interviews geführt.

Nur selten müssen Kinder die Handy-Kosten aus eigener Tasche bezahlen. Laut der Studie sind es gerade einmal drei Prozent. Im Durchschnitt liegt das Taschengeld bei knapp 23 Euro im Monat, das vor allem für Süßigkeiten und Lesestoff ausgeben wird. Dabei hat sich die Lücke zwischen Jungen und Mädchen weiter geschlossen: Jungen erhalten im Schnitt 23,40 Euro im Monat, bei den Mädchen sind es 22,46 Euro.

Während die Sechs- bis Neunjährigen ein monatliches Taschengeld von 18,76 Euro bekommen, steigt die Summe bei den 10- bis 13-Jährigen auf knapp 35 Euro. Die Geldgeschenke, etwa zum Geburtstag, summieren sich zusätzlich auf 160 Euro im Jahr - im Durchschnitt.

Trotz Digitalisierung des Alltags gehen Kinder mit den neuen Technologien laut der Studie souverän um. Bei ihren Freizeitaktivitäten gelte bei den Kindern nicht "entweder oder", sondern "sowohl als auch", sagte Brüne. Draußen zu spielen, sei so normal, wie digital unterwegs zu sein.

So lesen rund drei Viertel Bücher oder Zeitschriften mindestens einmal pro Woche. Und noch immer haben für die Heranwachsenden reale Erlebnisse den Vorrang vor der virtuellen Welt: Als wichtigste Freizeitaktivitäten nannten die Befragten "mit Freunden zusammen sein" (89 Prozent) und "im Freien spielen" (81 Prozent).

Kinder nehmen aber auch die Schattenseiten der Online-Welt wahr. "Internet ist doof. Da sitzt Papa stundenlang drin und redet nicht mit uns", zitiert die Studie ein 6-jähriges Kind. Ein anderes Kind (11 Jahre) antwortet auf die Frage über die Rolle des Internet: "Lebenswichtig. Flippe aus, wenn es defekt ist."

Auf die Frage, wofür sie eine "Superkraft" einsetzen würden, fielen die Antworten breitgefächert aus: Einige würden ihre Kraft einsetzen, damit Kindern nicht von Gleichaltrigen geärgert werden, andere wollen die Welt gerechter machen, damit Krieg und Hunger aufhören.

Auftraggeber für die Untersuchung waren die Verlagshäuser Blue Ocean Entertainment, Egmont Ehapa Media, Gruner + Jahr, Panini Verlags GmbH, Spiegel-Verlag und der Zeit Verlag. Ob Pferdemagazin oder Comicheft - fast drei Viertel (71,1 Prozent) der Kinder lesen mindestens eine der 41 erhobenen Kinderzeitschriften der Verlage. Das entspricht 4,1 Millionen Kindern.

Kinder-Medien-Studie 2018