Halberstadt l Seit über zehn Jahren schon engagiert sich der Förderkreis Musik am Dom nicht nur für die Unterstützung von Kantorei und Posaunenchor. Seit seiner Gründung verfolgt der Verein zielstrebig ein großes Vorhaben: die Sanierung der Domorgel.

Das mehr als 5000 Pfeifen zählende Instrument ist mittlerweile dringend sanierungsbedürftig. Bei den Recherchen der Fachleute mutierte das „schlichte“ Sanierungsprojekt zu einem ganz neuen, visionären, das zudem mehr Licht in den Dom bringen würde. Anlässlich des Deutschen Orgeltags am 13. September haben die Vereinsmitglieder ein ganz besonderes Programm rund um das Thema Orgel zusammengestellt.

Unter dem Motto „Halberstadt Orgelstadt“ wird ein Blick auf die 1000-jährige Orgelgeschichte der Stadt geworfen. Neben der Domorgel werden auch die Michael-Praetorius-Orgel in St. Martini, die Jesse-Orgel in St. Moritz und das John-Cage-Orgel-Kunst-Projekt in den Fokus gerückt.

Im Mittelschiff des Domes wird an diesem Sonntag ein hölzernes Modell stehen, das den Neubau der Domorgel thematisiert. Das in den 1960er-Jahren zuletzt gebaute Orgel-Innenleben bedarf der Erneuerung, da die Reparaturkosten immer größere Ausmaße annehmen. Auch der barocke Orgelprospekt, also das Schnitzwerk, das vom Kirchenraum aus zu sehen ist, ist nach Expertenmeinung dringend restaurierungsbedürftig. Geplant ist ein Orgelneubau, der, von Licht umflossen, frei im Raum stehen soll.

Domkapitel beschließt Orgelbau

Im Jahre 1712 beschloss das Domkapitel, eine Orgel von Heinrich Herbst auf eine neue Westempore bauen zu lassen, ist von Claudia Wyludda von der Domschatzverwaltung zu erfahren. „Während des Baus wurde 1714 der erstaunliche Beschluss gefasst, an Stelle des Spielschranks in der Mitte des Unterbaus einen Tunnel quer durch die Orgel zu lassen, um das Licht in der Kirchen durch das Werk beizubehalten, wie es in den Dokumenten dazu heißt“, sagt Wyludda. Dieser bei späteren Orgelneubauten verschlossene Tunnel soll nun wieder für das Licht der dahinter liegenden Rosette, also dem großen Rundfenster im Westwerk des Doms, freigegeben werden. „Dem Dominneren wird das einen eindrucksvollen Westabschluss verleihen“, sagt Claudia Wyludda. Derzeit liegt der westliche Teil ziemlich im Dunkeln.

Halberstadts Domkantor Claus-Erhard Heinrich und Patrick Collon, einer der produktivsten belgischen Orgelbauer in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, entwarfen in den vergangenen zwei Jahren gemeinsam ein Konzept zur komplexen Neugestaltung. Diese Pläne mündeten in ein vom Förderkreis Musik am Dom finanziertes Holzmodell, das die geplanten Veränderungen des Westchores mitsamt der Orgel und der wiederentdeckten Lichtführung durch die Orgel hindurch sichtbar macht.

Dr. Holger Brülls, zuständig für Orgeldenkmalpflege in Sachsen-Anhalt, sieht darin ein komplexes Vorhaben, um Raumbild und Raumordnung im spätromanisch-frühgotischen Westbau, dem ältesten Bauteils des Domes, so zu verändern, dass sowohl Musik als auch Architektur in hohem Maße davon profitieren. „Der dann mögliche Durchblick auf diese Lichtquelle wird die ost-westliche Raumachse spürbar verlängern und die Lichtführung im Mittelschiff insbesondere zur Abendzeit bei einfallender Westsonne in einer der barocken Orgelarchitektur gemäßen Weise beleben und dramatisieren“, erläutert Holger Brülls.