Kolumne

Christian Beck und warum es Ost-Vereine so schwer haben

Christian ‚Beckus‘ Beck erzählt im Volksstimme-Newsletter, was ihn im Fußball gerade bewegt: Ost-Vereine bringen so viel Tradition und tolle Fans mit, dennoch feiern sie in den deutschen Top-Ligen keine Erfolge. Frustrierend, aus vielerlei Gründen.

24.11.2022, 09:45
Christian Beck gilt als FCM-Vereinslegende, absolvierte rund 300 Spiele für Blau-Weiß.  
Christian Beck gilt als FCM-Vereinslegende, absolvierte rund 300 Spiele für Blau-Weiß.   Foto: Nico Esche

In den deutschen Top-Fußball-Ligen spielen von 56 Vereinen gerade einmal acht Clubs aus Ostdeutschland. Das muss man erst mal sacken lassen. Von diesen acht Clubs stehen zudem aktuell drei auf einem Abstiegsplatz. Da ist so viel Tradition unten drin, die es verdient hat, höher zu spielen. Frustrierend.

Vereine wie der 1. FC Magdeburg, aber auch Dresden und Rostock und viele weitere Traditionsclubs bringen eine leidenschaftliche Fanbase mit, die jede Liga auf der Welt bereichern würde. Westdeutsche, die diese Atmosphäre das erste Mal live erleben, haut es da doch gleich weg. Aber in erster Linie fehlt es den Ost-Vereinen vor allem an zwei Dingen: Reformen und Geld.

"Viele Spieler haben Respekt vor dem Osten."

Christian 'Beckus' Beck - FCM-Vereinslegende

Der Regionalliga Nordost wird es doppelt so schwer gemacht. Die Regionalligen West und Südwest dürfen direkt aufsteigen, Nordost muss in die Relegation. Eine Meisterschaft: Keine Garantie für den Aufstieg in Liga 3. Das muss sich ändern. Außerdem fehlt es an dem lieben Geld, um sich gute Spieler zu kaufen. Wenn du als Ostclub einen Spieler haben möchtest, der Verein aus dem Westen aber einen höheren Lohn zahlen kann, ist die Entscheidung für diesen oft schnell gefallen.

Ich hatte seinerzeit ein, zwei Gespräche bei West-Vereinen. Aus finanzieller Sicht denkst du dir dann schon: Das musst du machen! Mir war aber der 1. FC Magdeburg ans Herz gewachsen, dort hatte ich meine Erfolge, da kam ein Wechsel für mich nicht infrage. Viele Spieler haben zudem Respekt vor dem Osten, fühlen sich vielleicht nicht wohl.

Ausnahme auf Vereinsebene ist Union Berlin. Sie spielen erfolgreich Bundesliga, haben sehr gute Transfers getätigt – Bundesliga zieht nochmal mehr, als Zweite oder Dritte, vor allem im Ausland. Wenn du einmal oben drin bist, wirst du auch trotz Ost-Hintergrund attraktiv für die Kicker. Glück und eine gute Transferpolitik machen viel möglich – auch ohne das dicke Geld.

Wie die Ost-Vereine aus dieser Misere herauskommen? Ein gutes Scouting ist immer essenziell – auch, um Talente früh zu entdecken und zu fördern. Ebenso die Eigengewächse effektiv heranzuziehen und im Verein zu halten. Und wenn dieser Spieler dann immer noch unsicher ist, sollte er mal am Spieltag ins Stadion gehen: Den Rest erledigen die stimmungsvollen Fans.