Pyeongchang (dpa) - Bianca Walter kam aus dem Grinsen gar nicht heraus, Anna Seidel wäre am liebsten im Boden versunken. Freude und Kummer lagen bei den beiden deutschen Shorttrackerinnen bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang ganz dicht beieinander.

Während die 27-jährige Walter nach Jury-Entscheid ins Viertelfinale einzog, wurde ihre Teamgefährtin disqualifiziert. In der einzigen Medaillen-Entscheidung des Tages sicherte die Staffel Südkoreas vor 12 000 begeisterten Fans das dritte Shorttrack-Gold für die Gastgeber. In der achten Olympia-Entscheidung seit 1992 war es der sechste Sieg für die Top-Favoritinnen aus Südkorea. Silber ging an Italien. Kurios war die Vergabe von Bronze: Da die Finalisten aus China und Kanada disqualifiziert wurden, rutschte das Team der Niederlande nach Sieg im B-Finale in Weltrekordzeit von 4:03,471 Minuten auf den Bronzerang.

Jorien ter Mors ist damit die erste Sportlerin, die bei denselben Olympischen Winterspielen eine Medaille in zwei Sportarten holt. Zuvor hatte die Niederländerin die 1000 Meter der Eisschnellläufer gewonnen. "Das ist ein Traum: Bronze mit Weltrekord. Ich höre jetzt wirklich auf mit Shorttrack", erklärte die Niederländerin nach dem Rennen und gab damit ihren Abschied von der Kurzstrecke bekannt.

Bianca Walter indes blieb bei aller Freude über die für sie positive Jury-Entscheidung realistisch. "Es war eine ganz enge Entscheidung. Sie hätte auch anders ausfallen können", räumte sie ein. Nach einem Sturz wurde sie wegen Behinderung durch ihre Rivalin Han Yu Tong aus China für die nächste Runde gesetzt. "Die Chinesin hat sich ein bisschen blöd angestellt, als sie überholen wollte. Ich habe davon profitiert", gab sie zu.

Bitter verlief hingegen der Auftritt ihrer Dresdner Vereinsgefährtin Anna Seidel. Sie wurde wegen Behinderung der Niederländerin Yara van Kerkhof disqualifiziert und schied aus. Damit ist der Olympia-Auftritt der Deutschen nach insgesamt drei Stürzen schon vor dem abschließenden Wettkampf-Tag am Donnerstag beendet. "Ich bin sehr enttäuscht. Ich konnte nicht zeigen, was ich wirklich kann", sagte die 19-Jährige. Auch Trainer Daniel Zetzsche war betrübt. "Anna hat hier in keinem Rennen ihr Leistungsvermögen abgerufen. Schon über 1500 Meter hatte sie sich mehr ausgerechnet", sagte der Sachse.