Pyeongchang (dpa) - Selbst auf dem Weg zur rauschenden Goldparty feierten die US-Eishockey-Frauen ihre Penalty-Heldin Maddie Rooney immer noch mit lauten Sprechchören.

Nach einem wahren Final-Krimi begruben die amerikanischen Kufencracks ihre Torhüterin unter sich und bejubelten zu den Klängen von "Born in the USA" den zweiten Olympiatriumph über Erzrivale Kanada. Nach zwei schmachvollen Niederlagen im Duell um Gold gegen den Dauer-Champ gelang in Pyeongchang im ersten Endspiel-Penaltyschießen bei einem olympischen Frauen-Turnier mit 3:2 (1:0, 0:2, 1:0, 1:0) nun die süße Revanche. "Das war unsere Motivation", berichtete die erst 20 Jahre alte Torfrau Rooney. "Den älteren Spielerinnen, die all den Schmerz dieser Niederlagen mitgemacht haben, diese Goldmedaille zu ermöglichen."

Bei den vergangenen vier Weltmeisterschaften triumphierten die USA über Kanada - doch seit dem amerikanischen Olympiasieg von Nagano 1998 waren die vorigen vier Goldmedaillen bei Winterspielen an das Team Canada gegangen.

Nachdem Rooney den letzten kanadischen Versuch im Showdown parierte, wurde sie von ihren Teamkolleginnen fast erdrückt. Schon in den 80 Minuten zuvor hatte die Wirtschaftsstudentin aus Minnesota 29 von 31 Schüssen gehalten. "Maggie ist so sicher, einfach unglaublich", schwärmte Teamkollege Gigi Marvin über die Olympia-Debütantin. "Wir wussten, dass sie es in sich hat. Sie ist wie ein Fels." Kurz nach dem Finale wurde ihr Beruf bei Wikipedia von Fans kurzzeitig auf "US-Verteidigungsministerin" geändert - darauf angesprochen, kicherte Rooney verlegen.

Auch Coach Robb Stauber herzte seine Matchwinnerin. "Es bedeutet alles für unser Land", sagte der Trainer über den Triumph. "Ich kann gar nicht beschreiben wie glücklich ich für unsere Spielerinnen bin. Wir lieben sie, es ist einfach irreal."

Nach dem 2:2 nach Overtime kam es im Gangneung Hockey Centre auf die Nervenstärke der beiden herausragenden Eishockey-Teams der Welt an. Gigi Marvin und Amanda Kessel, Schwester von NHL-Star Phil, trafen für die USA. Meghan Agosta und Melodie Daoust konnten Rooney überwinden.

Mit einer beeindruckenden Richtungstäuschung ließ dann Jocelyne Lamoureux-Davidson die kanadische Keeperin Shannon Szabados aussteigen und schob den Puck lässig ein. "Das habe ich tausende Male mit Reifen geübt", sagte die 28-Jährige und verriet, dass der Name des Tricks auf Anregung ihres Trainers an einen Song von Britney Spears angelehnt ist: "Ooops, I did it again."

Zum wiederholten Male wollten auch die Kanadier ihre Ausnahmestellung unter Beweis stellen. Nach dem 2:1-Führungstreffer von US-Schreck Marie-Philip Poulin schien der fünfte Olympiasieg auch lange zum Greifen nah. Doch mit Tränen in den Augen und der Silbermedaille um den Hals schlich die Spielführerin nach der ersten kanadischen Niederlage nach 24 siegreichen Olympia-Spielen durch die Katakomben. "In diesem Moment ist es wirklich hart", gestand Poulin, die in den vergangenen beiden Finals die USA mit jeweils zwei Treffern noch geschockt hatte.

Sie habe die "herzzerreißende" Niederlage von Sotschi 2014, als Poulin in der Verlängerung traf, im eigenen Wohnzimmer verfolgt, berichtete US-Keeperin Rooney: "Umso unglaublicher ist jetzt dieser Sieg."