Aufgespießt

Die Bahn schickt jetzt den Female-ICE durchs Land

Wie sich DB-Marketingleute Frauen(be)förderung vorstellen

Von Siegfried Denzel 11.05.2022, 18:21
Zugbegleiterinnen, Lokführerin, Zugchefin: Im „Female ICE“ arbeiten ausschließlich Frauen. Männer dürfen aber mitfahren.
Zugbegleiterinnen, Lokführerin, Zugchefin: Im „Female ICE“ arbeiten ausschließlich Frauen. Männer dürfen aber mitfahren. Foto: Imago

Da haben sich die Marketingleute der Deutschen Bahn ja was Tolles ausgedacht: Der erste „Female-ICE“ – so der PR-Sprech aus der Bahn-Zentrale – ist gestern von München nach Berlin durch die Republik gebraust. Darauf sind sie so stolz, dass sie sogar die Waggons ganz groß beklebt haben: mit drei Frauen-Silhouetten und einem dicken roten Streifen mit der Aufschrift „Bewegende Frauen am Zug“.

Liebe (wohl männliche) Bahn-Manager, geht’s noch? Lasst ihr eure Kolleginnen am Zug – also auf dem Bahnsteig – einfach stehen, anstatt sie im Zug mitzunehmen?

Okay, so eine kleine sprachliche Ungenauigkeit kann im freudetrunkenen Zustand nach der tollen Idee schon mal passieren. Sagen wollten uns die Eisenbahner, dass es im „Female ICE“ nur Eisenbahnerinnen gibt: also Lokführerin, Zugchefin und Zugbegleiterinnen. So viel Frauen(be)förderung ist überfällig in einem Unternehmen, das „die Bahn“ ist. Wir sind gespannt: Steigt jetzt der Männeranteil unter den Fahrgästen? Oder fühlen sich die Männer diskriminiert und fordern Gleichstellung: Wo bitteschön bleibt der „Male-ICE“? Wahrscheinlich auf der Strecke.