Aufgespießt

Die Kanalisation muss abspecken

300 Tonnen schwerer Fettkloß blockiert in Birmingham die Abwasser-Entsorgung

Von Siegfried Denzel
Wie gut, dass eine Zeitung keine Gerüche überträgt: Kanalarbeiter im Einsatz gegen den Fettkloß von Birmingham. Foto: Severn Trent/dpa

Es ist Frühjahr – und die Kilos sollen purzeln. Mal wieder ... Doch mit Kilos kann sich das Abwasserunternehmen Severn Trent im britischen Birmingham nicht zufriedengeben: Hier geht’s um Tonnen!

Man müsse es im Untergrund der Metropole mit einem wahrhaftigen „Monster“ aufnehmen, teilte der Entsorgungsbetrieb am Wochenende mit. Dabei wartet auf die Leute von Severn Trent kein feuerspeiender, vielköpfiger Drache – es ist noch schlimmer: Der Gegner wiege mit 300 Tonnen ungefähr so viel wie 250 Kompaktwagen und hat auf einer Länge von – Achtung: kein Schreibfehler – etwa 1000 Metern so viel höllisch stinkendes Fett angefressen, dass des Teufels Schwefelgeruch fast schon als Parfüm durchgehen würde.

Diät dauert Wochen

Da hilft nur eines: Zwangs-Diät für den Monster-Fettkloß! Rund um die Uhr sind die bemitleidenswerten Arbeiter nun dabei, die Kanalisation abzuspecken. Aber es ist auch hier wie bei jedem Abnehmen: Von heute auf morgen ist kaum etwas zu sehen. Mehrere Wochen werde es wohl dauern, kündigte Severn Trent an, bis das Abwassersystem wieder in Form gebracht ist.

Bitte nur die drei P's

Und noch etwas eint diätisierende Menschen und feiste Abwasserkanäle: Wenn das Fett dauerhaft fernbleiben soll, bedarf es eines geänderten „Einwurfverhaltens“. Bei Zweibeinern mag’s der Verzicht auf Pasta, Süßigkeiten oder Chips sein, bei Rohrsystemen sind’s überschüssiges Öl vom Kochen, Kosmetiktücher oder Babywindeln. Deshalb, so der fast schon verzweifelte Appell der Entsorger an die Birminghamer, sollten nur noch die „drei P’s“ ins Klo: Pee, Poo and Paper. Auf Deutsch: Urin, Kot und Toilettenpapier – das wäre eine Art Dauer-Diät für den Kanal.