Gesundheit

Gegenwind für Vorschlag zu „Freedom Day“

Von dpa 19.09.2021, 16:29 • Aktualisiert: 20.09.2021, 23:03
Claudia Bernhard (Linke), Bremens Senatorin für Gesundheit.
Claudia Bernhard (Linke), Bremens Senatorin für Gesundheit. Sina Schuldt/dpa/Archivbild

Berlin/Osnabrück - Ein „Freedom Day“ nach britischem Vorbild mit dem Ende aller wesentlichen Corona-Beschränkungen stößt im Nordwesten auf Ablehnung in den Landesregierungen und bei Ärzten. Bremens Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke) sagte der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ/Sonntag/online) zum Vorschlag von Bundes-Kassenärzte-Chef Andreas Gassen, einen solchen Schritt für den 30. Oktober anzupeilen: „Wir müssen die Impfbereitschaft weiter erhöhen. Daran müssen wir arbeiten, nicht an einem „Freedom Day“.“

Ähnlich äußerte sich die niedersächsische Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD): „Wir müssen leider davon ausgehen, dass die Infektionszahlen in der kalten Jahreszeit wieder deutlich ansteigen.“ Ein Ende der Corona-Maßnahmen halte sie „noch für zu leichtsinnig“.

Zuvor hatte sich Gassen in einem Interview der Zeitung für ein Auslaufen der Corona-Einschränkungen Ende Oktober ausgesprochen. „Nach den Erfahrungen aus Großbritannien sollten wir auch den Mut haben zu machen, was auf der Insel geklappt hat“, meinte er. „Also braucht es jetzt eine klare Ansage der Politik: In sechs Wochen ist auch bei uns „Freedom Day“!“ Bis dahin hätten Impfwillige auch noch genügend Zeit, um sich immunisieren zu lassen.

Gassens Kollegin bei der regionalen Ärztekammer in Niedersachsen, Martina Wenker, findet die Forderung zum aktuellen Zeitpunkt ebenso riskant wie Behrens und Bernhard. Sie kritisierte Gassen scharf: „Es widerspricht der ärztlichen Sorgfaltspflicht, quasi Wetten auf zukünftige Krankheitsverläufe abzuschließen“, sagte Wenker der „NOZ“. „Wir sollten nun den in Deutschland eingeschlagenen Weg konsequent fortsetzen.“ Zunächst müsse es darum gehen, mehr Menschen zu impfen.

Auch der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, hatte vor allzu schnellen Lockerungen bei den Vorsichtsregeln gewarnt. „Der „Freedom Day“ ist eine tolle Sache. Doch beim Blick in die Arztpraxen, Krankenhäuser und Pflegeheime scheinen solche flotten Sprüche nicht anzukommen“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Hier seien die Einschränkungen für Patienten, Pflegebedürftige und Angehörige derzeit noch allgegenwärtig. „Die Kassenärztlichen Vereinigungen müssen sich zunächst dafür einsetzen, dass ihre Vorschläge im medizinisch-pflegerischen Bereich ankommen.“