Natur

Giftnotruf warnt vor Handy-Apps für Pilzsammler

Gerade im Herbst suchen viele Menschen im Wald nach essbaren Pilzen. Auf scheinbar praktische Apps sollten sie sich dabei nicht verlassen, warnt der für den Norden zuständige Giftnotruf. Seit einiger Zeit treibt die Experten zudem eine weitere Sorge um.

Von dpa 27.09.2021, 07:43

Göttingen - Wer im Herbst auf Pilzsuche geht, sollte sich nicht auf Apps oder Google verlassen. Davor warnt das Giftinformationszentrum (GIZ) Nord. Derzeit gibt es wieder vermehrt Meldungen über Pilzvergiftungen bei der Beratungsstelle der Universitätsmedizin Göttingen.

„Zur Zeit melden sich rund eine Handvoll Menschen täglich bei uns“, sagt Andreas Schaper. Der Toxikologe leitet mit seinem Kollegen Martin Ebbecke das GIZ-Nord, das für die Länder Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein zuständig ist. Sommer und Herbst seien die Hochzeit bei Pilzvergiftungen. Bisher habe es keine Toten zu beklagen gegeben. Oft handele sich aber um Vergiftungen mit Knollenblätterpilzen. „Das Gift dieses Pilzes kann die Leber zerstören und zum Tod führen“, erklärte Schaper.

In vielen Fällen vergiften sich dem Experten zufolge aus dem Ausland zugezogene Menschen. Diese kennen aus ihrer Heimat Pilze, die in Deutschland wachsenden Exemplaren sehr ähnlich sehen. „Nur die einen sind harmlos und die anderen können sehr giftig sein“, betonte Schaper. Vor dem Pilzesammeln sei es deshalb wichtig, sich umfassend zu schulen. Apps oder Internetrecherchen seien nicht ausreichend. Schaper: „Im Zweifel gesammelte Pilze besser nicht essen.“

Rund 1000 Pilzvergiftungen und Verdachtsfälle pro Jahr werden dem Notruf üblicherweise gemeldet. Insgesamt erlangt die Beratungsstelle jährlich von mehr als 40 000 möglichen Vergiftungen Kenntnis. Bei den Beratungen geht es aber auch um Unverträglichkeiten, überwiegend was Arzneimittel sowie chemische Produkte betrifft.

Seit einiger Zeit bereiten sogenannte neue psychoaktive Substanzen den Fachleuten Sorgen. Neuartige Drogen mit Namen wie „Spice“, „Kräutermischung“ oder „Badesalz“ werden seit fünf bis sieben Jahren häufiger gemeldet. Auch synthetische Cannabinoide, also künstlich hergestellte Rauschmittel, die Cannabis ähneln, fallen nach Schapers Angaben auf. „Die Zahlen explodieren nicht“, sagte der GIZ-Nord-Leiter. „Aber sie treiben uns um.“