Ein Knall, dann Stille, schließlich Panik bei Bahnunglück in den Niederlanden

Horrortrip: Zwei Züge prallen zusammen

Zwei Züge prallen in Amsterdam frontal zusammen. Ein Knall, dann Stille, schließlich Panik. Knapp 120 Menschen werden verletzt. Eines der Opfer stirbt am Tag nach dem Unglück.

Amsterdam (dpa) l Es ist ein ganz normaler Sonnabendabend. Am Amsterdamer Hauptbahnhof steigen Hunderte von Menschen in den Regionalzug in Richtung Uitgeest ein. Sie wollen von der Arbeit nach Hause oder Freunde und Verwandte besuchen. Nur 28 Minuten dauert normalerweise die kurze Reise.

Doch plötzlich ein Knall: Gegen 18.30 Uhr stößt der "Stoptrein" unweit des Bahnhofs Amsterdam-Sloterdijk auf einer Brücke über einer Gracht frontal mit einem entgegenkommenden doppelstöckigen Schnellzug zusammen.

Nach offiziellen Angaben wurden 117 Menschen verletzt. Eines der Opfer, eine 68 Jahre alte Frau, stirbt am Tag nach dem Unfall. "Wir sind mit den Gedanken bei ihrer Familie. Wir wünschen ihr viel Kraft nach diesem furchtbaren Verlust", sagte der Bürgermeister von Amsterdam, Eberhard van der Laan, gestern.

Viele Passagiere erlitten Knochenbrüche und Quetschungen. Etwa 42 Menschen wurden schwer verletzt. 16 von ihnen mussten weiterhin im Krankenhaus behandelt werden. Unter den Schwerverletzten soll sich auch der Fahrer des Schnellzuges befinden. Medienberichten zufolge handelt es sich bei der Mehrzahl der Verletzten um Passagiere des Regionalzugs.

Die junge Holländerin Yvonne war mit einer Freundin unterwegs. Sie hatte Glück und kam mit dem Schrecken davon, berichtete sie der Tageszeitung "De Telegraaf". "Es gab einen lauten Knall, dann ging ein großes Zittern durch den Waggon. Dann herrschte absolute Stille."

Die Wucht des Aufpralls war so stark, dass Fahrgäste aus ihren Sitzen gegen Tischchen oder Fensterscheiben geschleudert wurden. Viele Fahrgäste waren wohl noch auf der Suche nach einem Sitzplatz. Die relativ geräumigen Waggons könnten zur hohen Zahl der Verletzten beigetragen haben, sagte ein Polizeisprecher. Viele Passagiere erlitten Knochenbrüche, Quetschungen oder wurden von Glasscherben verletzt. Augenzeugen berichten von Panik in den Zügen.

Schon wenige Minuten nach dem Unglück waren die ersten Helfer am Unfallort, berichteten Fahrgäste. Die Retter mussten die Türen aufhebeln und sich mit Leitern Zugang zu den Fahrgästen verschaffen, wie ein Sprecher der Bahngesellschaft "ProRail" sagte. Es dauerte mehrere Stunden, bis alle Passagiere die Züge verlassen konnten. Die Verletzten wurden zum Teil auf Tragen mehrere Meter über enge Metalltreppen zu den wartenden Rettungswagen transportiert. Auch ein Kran und ein Rettungshubschrauber wurden zur Bergung eingesetzt.

Wie es zu dem Unglück kam, war am Sonntagnachmittag noch unklar. Untersuchungen seien im Gange, hieß es seitens der Behörden und der Bahngesellschaft "NS". In niederländischen Medien wurde spekuliert, dass die Abendsonne möglicherweise einen der Fahrer geblendet hatte.