Zwischen Kriminalität und Freiheitskampf

Immer öfter greifen Hacker Unternehmen und Kunden an

Von Peter Zschunke

Ob Pentagon oder Zoll, Sony oder Rewe – niemand scheint sicher vor Hackern. Jetzt gelang dem FBI ein Schlag gegen die Hackergruppe Anonymous, der vorgeworfen wird, an Attacken auf Webseiten von Kreditunternehmen beteiligt gewesen zu sein. Doch solche Erfolge sind selten: Die Hacker-Szene ist schillernd und kaum fassbar.

Berlin (dpa). Digitale Technik ist nie zu hundert Prozent sicher. Jeder Fehler kann ausgenutzt werden – von findigen Leuten, die als Hacker bezeichnet werden. Die Motive sind so vielfältig wie die Gesellschaft: Es gibt Hacker im Auftrag von kriminellen Banden oder ausländischen Geheimdiensten. Einige wollen nur auf Sicherheitslücken hinweisen, andere wollen diese ausnutzen und als "Hacktivisten" aus politischen Gründen Sand ins Systemgetriebe streuen.

"In einem solchen Ausmaß wie in diesem Jahr waren wir bisher noch nicht mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen von Hackern konfrontiert", sagte Matthias Gärtner, Sprecher des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik.

Die ersten Vorboten waren im Herbst vergangenen Jahres zu sehen. "Der digitale Erstschlag ist erfolgt", erklärte damals Frank Rieger vom Chaos Computer Club zum Computerwurm Stuxnet, mit dem sich die Software-Steuerung von Industrieanlagen lahmlegen lässt. Urheber waren wohl staatliche Stellen, die Anlagen im Iran attackierten.

Ähnlich martialisch war die Begleitmusik zu Hacker-Angriffen von Unterstützern der Enthüllungsplattform WikiLeaks auf Firmen wie Visa und Mastercard. "Der erste ernsthafte Info-War ist jetzt im Gange. Das Schlachtfeld ist WikiLeaks. Ihr seid die Truppen", twitterte Anfang Dezember 2010 der Internet-Aktivist John Perry Barlow.

Dieser Teil der Hackerszene formiert sich um die Gruppe Anonymous, die 2008 erstmals mit Aktionen gegen die Organisation Scientology auftrat. Ihre Mitglieder organisieren "Operationen", die sich mal gegen autoritäre arabische Regime und mal gegen Polizeibehörden in den USA richten. Kleinster gemeinsamer Nenner ist der Kampf gegen "freiheitsfeindliche Organisationen".

Sieben Monate nach den Hacker-Attacken von Anonymous-Mitgliedern auf Visa, Mastercard und PayPal hat das FBI jetzt mutmaßliche Täter ausfindig gemacht. In den USA, Großbritannien und den Niederlanden sind 21 Personen festgenommen worden, denen unter anderem die Beteiligung an Attacken auf Webseiten von Kreditunternehmen vorgeworfen wird. Die Hacker protestierten mit ihren Angriffen im Dezember 2010 dagegen, dass Visa, Mastercard und Paypal Konten der Enthüllungsplattform WikiLeaks eingefroren hatten.

Einen Schwerpunkt in Deutschland hat die Hackergruppe No Name Crew, die jetzt mit einem Einbruch in IT-Systeme von Bundespolizei und Zoll für Schlagzeilen sorgt. "Das Hacken ist für uns allerdings kein bloßes Hobby oder nichts weiter als ein Job. Für uns ist Hacken eine Lebensphilosophie", sagte ein Mitglied der Gruppe.