Berlin (dpa) - Die jährlich wechselnden Termine für die Sommerferien sorgen für Kontroversen zwischen den Bundesländern.

Denn Berlin und Hamburg fordern neue Regeln: Bei der Kultusministerkonferenz (KMK) an diesem Donnerstag und Freitag in Berlin wollen die beiden Länder beantragen, die freien Tage künftig zeitlich weniger zu strecken. Generell sollen die Sommerferien demnach erst ab 1. Juli und nicht schon im Juni beginnen, die Termine der Länder enger zusammenrücken und die jährlichen Verschiebungen möglichst gering ausfallen.

Ziel sei "mehr Kontinuität" im Schuljahresablauf, sagte Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres der Deutschen Presse-Agentur. "Vor allem Sprünge von einem späten Ferientermin auf einen frühen Ferientermin führen zu einer Verkürzung von Schuljahren." Die aktuelle Regelung hat aus Sicht der SPD-Politikerin negative Auswirkungen auf die Lernzeit der Schüler, die Belastung der Lehrkräfte, auf "schulorganisatorische Prozesse" sowie auf den Zeitraum bei den Abschlussprüfungen.

Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD) kritisierte, dass allein Baden-Württemberg und Bayern immer als letzte im August und September sechs Wochen Ferien haben. "Diese Sonderstellung der beiden südlichen Bundesländer ist nicht nachvollziehbar."

Nach Ansicht der Stuttgarter Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) hat sich die bisherige Ferienregelung dagegen bewährt. "Sie bietet uns einen pädagogisch verlässlichen und konstanten Schuljahresrhythmus und ermöglicht uns auch zusätzliche Pfingstferien, die von Eltern und den Schulen geschätzt werden", sagte eine Sprecherin. Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) erklärte: "Bayern bleibt bei der aktuellen Ferienregelung."

Auch andere Bundesländer lehnten den Vorstoß auf dpa-Anfrage ab. Auch aus Sicht Hessens hat sich das bisherige rollierende System bewährt. Schleswig-Holstein sieht ebenfalls keinen Handlungsbedarf. "Ein zu enger Ferienkorridor in ganz Deutschland könnte negative Auswirkungen auf den für unser Land so wichtigen Tourismus haben, wenn die Saison dadurch deutlich kürzer würde", gab ein Sprecher des Bildungsministeriums in Kiel zu bedenken.

Die Berliner Senatorin Scheeres hält dem ein weiteres Argument entgegen: Angesichts eines gemeinsamen Pools von Abituraufgaben seien teils erhebliche Schwankungen bei der Länge der Schulhalbjahre nicht mehr zeitgemäß. "Die Ferien sollten zwischen dem 1. Juli und dem 10. September liegen." So könnten sich die Länder besser dem Ziel annähern, ein bundesweit vergleichbares Abitur durchzuführen. Der Hamburger Senator Rabe ergänzte: "Zudem können sich Kinder und Eltern ab 1. Juli verlässlicher auf besseres Sommerwetter freuen."

Sachsen-Anhalts Bildungsminister Marco Tullner (CDU) kann nach eigenen Worten keine Vorteile dieser Idee erkennen. Wichtig für sein Land sei: "Die zentralen Abiturprüfungszeiträume dürfen nicht durch Alleingänge einzelner Länder in Gefahr geraten."

Bisher haben aus historischen Gründen lediglich Bayern und Baden- Württemberg jedes Jahr weitgehend im gleichen Zeitraum Sommerferien. Bei den übrigen Ländern wechseln die Termine permanent: So beginnen im kommenden Jahr die Sommerferien in Mecklenburg-Vorpommern bereits am 22. Juni und enden am 1. August, in Baden-Württemberg als letztem Bundesland starten sie am 27. Juli und enden am 12. September.

Die bisherige Regelung habe sich in Rheinland-Pfalz bewährt, sagte die dortige Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD). "Allerdings würden wir es sehr befürworten, wenn sich künftig alle Länder am rotierenden System der Sommerferien beteiligen würden", fügte sie mit Blick auf die beiden großen Südländer hinzu.

Nordrhein-Westfalens Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) sagte, jede Regelung solle von Zeit zu Zeit daraufhin überprüft werden, ob sie noch sachgerecht und zeitgemäß sei. "Das gilt auch für die komplizierte Sommerferienregelung. Aufgrund der langfristigen Festlegung der Ferienpläne wird es jedoch keine schnellen Entscheidungen geben können." Damit rechnet auch Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke) nicht. Für ihn sei wesentlich, dass die Länder sich weiter einvernehmlich abstimmten.