Finanzen

Mehr Firmen- und weniger Verbraucherinsolvenzen

Von dpa Aktualisiert: 27.07.2022, 22:29

Hannover - In Niedersachsen haben in der ersten Jahreshälfte mehr Unternehmen, aber weniger Privathaushalte einen Insolvenzantrag stellen müssen. Nach Angaben des Statistischen Landesamts vom Dienstag stieg die Zahl der in Bedrängnis geratenen Firmen - gemessen an den bei Gericht eingereichten Anträgen - verglichen mit dem Zeitraum von Januar bis Juni 2021 um 5,3 Prozent auf 596. In rund drei Vierteln der Fälle habe ein Insolvenzverfahren begonnen. Jobs von etwas mehr als 3500 Beschäftigten seien bedroht.

Ein bekannter Fall war die aus den Nordseewerken hervorgegangene Werft Fosen Yard in Emden. Hier erging der Insolvenzantrag zum 1. Juni. Bei einem der größten Kondomhersteller, der CPR GmbH aus Sarstedt, läuft das Insolvenzverfahren seit Ende Juni. Kurz darauf stellte Anfang Juli der Osnabrücker Pralinenhersteller Leysieffer erneut einen Insolvenzantrag - rund zwei Jahre nach seinem Neustart.

Bei den Verbraucherinsolvenzen kam es zuletzt hingegen zu einer Entspannung. Ihre Summe sank in Niedersachsen um 21,4 Prozent auf 4901 Anträge. Allerdings spielt dabei auch ein Sondereffekt eine Rolle. Die Zahlen hatten zu Beginn des Vorjahres stark zugenommen, denn eine Gesetzesänderung machte eine Befreiung von der Restschuld schon nach drei statt nach sechs Jahren möglich. Betroffene hatten daher zuvor nach Einschätzung von Experten mit dem Antrag gewartet.

Relativ betrachtet gab es im ersten Quartal dieses Jahres in Niedersachsen und Bremen die meisten Fälle von Verbraucherinsolvenzen in Deutschland. Laut einer Auswertung der Wirtschaftsauskunftei Crif lagen die Nordwest-Länder mit 50 beziehungsweise 39 Privatinsolvenzen pro 100.000 Einwohner auf den beiden vordersten Rängen. Der bundesweite Schnitt betrug 27 Verbraucherpleiten je 100.000 Menschen.

In der gesamten ersten Jahreshälfte zählten die Landes-Statistiker in Niedersachsen über alle Kategorien hinweg 6727 Anträge auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens - 16,8 Prozent weniger als vor einem Jahr.