Tiere

Mit DNA-Test und Brutmaschine: Rettungsaktion für Steinkrebs

Von dpa 16.09.2021, 06:48 • Aktualisiert: 17.09.2021, 19:55
Ein Mann hält einen Steinkrebs in die Kamera.
Ein Mann hält einen Steinkrebs in die Kamera. Frank Rumpenhorst/dpa

Landau - Mit einem grenzüberschreitenden Artenschutzprojekt wollen Forschende den europäischen Steinkrebs in der Oberrheinregion im Pfälzerwald und in den Nordvogesen retten. „Ziel ist es, die letzten Steinkrebse der Pfalz in Zusammenarbeit mit erfahrenen Flusskrebszüchtern zu vermehren und an anderen Stellen in der Pfalz wieder zu besetzen“, sagte Anne Schrimpf vom Landauer Institut für Umweltwissenschaften. In Frankreich gebe es damit bereits Erfolge.

Steinkrebse sind wichtig für das Ökosystem, denn durch den Verzehr von Pflanzenbewuchs und Aas reinigen sie das Wasser. Sie leben oft an kühlen Oberläufen und in Bächen. „Diese sind durch die warmen Sommer vermehrt ausgetrocknet - und so verschwinden viele Populationen“, schilderte Schrimpf. Die Krebspest - eine Seuche, die durch invasive Flusskrebse eingeschleppt wurde - stelle eine weitere Bedrohung dar.

Bisher konnten keine der in ganz Europa seltenen Steinkrebse mehr in der Pfalz nachgewiesen werden. Doch das Team um Schrimpf gibt nicht auf. Dabei sollen auch Analysen von Wasserproben helfen, mit denen die DNA der Steinkrebse gefunden werden soll. „Die Methode wird aktuell in unserem Labor erprobt - und ich bin optimistisch, dass das auch im Terrain gut klappen wird.“

Eine weitere Initiative sei, die Eier von Steinkrebsen aus dem nördlichen Rheinland-Pfalz in einer Maschine auszubrüten. „Dort sind ein paar vitale Steinkrebsbestände bekannt. Mit der Methode hat ein Edelkrebszüchter jahrzehntelang Eier von Edelkrebsen ausgebrütet. Die Schlupfrate der kleinen Krebse ist in einer Brutmaschine viel höher, als wenn die Flusskrebse selber die Eier in der Natur erbrüten.“

Mit den Vorbereitungen wollen die Forschenden noch dieses Jahr beginnen. „Bei der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord wird gerade geprüft, von wie vielen Weibchen Eier entnommen werden dürfen, um den bestehenden Populationen nicht zu schaden“, erklärte sie.

„Leider weiß man im Pfälzerwald bisher nicht viel über den Steinkrebs“, sagte Schrimpf. Daher müssten hier weiterhin Nachweise auf Bestände überprüft werden. Mit genetischen Analysen soll das „Verwandtschaftsverhältnis“ der Pfälzer Populationen zu Steinkrebsen aus Frankreich, Süddeutschland und anderen Ländern aufgeschlüsselt werden. „So können wir ermitteln, ob zukünftig Steinkrebse aus den verschiedenen Regionen für Zuchtprogramme vermischt werden können.“