Kirche

„#Offengeht“: Kirchen werben um offene Gesellschaft

Rund 5000 Veranstaltungen in mehr als 500 Städten und Gemeinden: Im Laufe der interkulturellen Woche wollen die christlichen Kirchen für eine Gesellschaft ohne Rassismus und für Verständnis und Hilfe für Schwache werben.

Von dpa 24.09.2021, 06:50

Rostock - Die drängenden Fragen um Migration, Flucht und Asyl stehen im Mittelpunkt der bundesweiten interkulturellen Woche, die mit einer zentralen Veranstaltung am Sonntag in Rostock beginnt. Die von den christlichen Kirchen getragene Woche steht unter dem Motto „#Offengeht“. Dies sei als Appell an die Menschen zu verstehen, sich ein Herz zu fassen und zu versuchen, Offenheit in der Gesellschaft zu erlauben, sagte Beate Sträter, Vorsitzende des Ökumenischen Vorbereitungsausschusses zur Interkulturellen Woche, der Deutschen Presse-Agentur. Die Woche mit rund 5000 Veranstaltungen in mehr als 500 Städten und Gemeinden wurde 1975 von der katholischen, evangelischen und griechisch-orthodoxen Kirche ins Leben gerufen. Mitgestaltet wird sie laut Sträter von starken Kräften der Zivilgesellschaft wie Kommunen, Verbänden oder und weiteren Religionsgemeinschaften.

Die Situation der Menschen in Afghanistan und denen, die aus Afghanistan geflüchtet sind, werde ein bestimmendes Element der Woche sein. Sträter kritisierte die in diesem Zusammenhang vielfach gehörte Forderung „2015 darf sich nicht wiederholen“ scharf. „Das ist vollkommen deplatziert.“ Damit werde vorausgesetzt, dass damals etwas Schlimmes passiert ist, was zu verhindern gewesen wäre. 2015 sei vielmehr ein Erfolgsmodell für die Gesellschaft gewesen. „Wir haben es mit großem gesellschaftlichem Engagement geschafft, dass viele Menschen einen Platz bei uns gefunden haben“, betonte Sträter.

Viele der damaligen Flüchtlinge hätten heute Arbeit oder seien in einer Ausbildung. „Humanitäre Offenheit kann kein abschreckendes Beispiel für die Gesellschaft sein“, sagte Sträter. Es werde auch verkannt, dass Zuwanderung in vielen Bereichen der Wirtschaft essenziell ist. „Wir müssen daran arbeiten, den Menschen einen schnellen und unkomplizierten Zugang zu Ausbildung und Beruf zu verschaffen.“

Rostock sei als Ort der bundesweiten Eröffnungsveranstaltung bestens gewählt. Die Stadt habe nach den rassistischen Vorfällen im Stadtteil Lichtenhagen 1992 gezeigt, wie sich eine Stadtgesellschaft aufgemacht hat und Rassisten eine starke Kraft entgegengestellt. „Die Stadt ist damit sehr erfolgreich. Das ist beeindruckend“, sagte Sträter.