Frust im Job

Per Notrutsche aus dem Job: Flugbegleiter rastet aus

Von Chris Melzer

New York (dpa). Ein Flugbegleiter hat nach einem Streit mit einem Passagier in New York die Nerven verloren und die Maschine auf dem Rollfeld per Notrutsche verlassen. Während ihm nun mehrere Jahre Haft drohen, wird er im Internet als Held aller Entnervten gefeiert.

"Saftschubsen" werden die Flugbegleiter heute genannt. Früher war Stewardess ein Traumberuf mit schicker Uniform und exotischen Reisezielen. Heute ist von dem Glamour nichts mehr übrig und gerade bei Billigfluggesellschaften sind die stolzen Flugbegleiter von einst gestresstes Kabinenpersonal.

JetBlue Airways ist ein Billigflieger und Steven Slater (38) einer der Flugbegleiter. Zumindest war er es bis vor kurzem. Nach einem kurzen Flug von Pittsburgh nach New York hatte er wie immer die Passagiere aufgefordert, angeschnallt zu bleiben bis das Flugzeug steht. Und wie immer klickten trotzdem schon die Gurte, und eine Frau machte sich gar schon an dem Koffer über ihr zu schaffen. Als Slater bei ihr ankam, fiel ihm der Koffer auf den Kopf. Statt sich zu entschuldigen, beschimpfte die Frau den Steward auch noch wüst.

Slater scheint seinen Job zu lieben. Sein Vater war Pilot, die Mutter selbst Stewardess. Doch an diesem Tag muss er genug gehabt haben. Er greift zum Mikrofon und beschwert sich per Kabinenlautsprecher über die renitente Passagierin und Fluggäste im Allgemeinen. 20 Jahre in dem Job seien genug. Dann geht er zum Heck der Maschine, löst mit einem lauten Knall die Notrutsche aus, schnappt sich noch ein Bier und verschwindet auf der Gummirutsche.

Nun ermitteln die Behörden. Slater wurde festgenommen; ihm drohen mehrere Jahre Haft. "Die Notrutsche knallt innerhalb von Sekunden raus. Wenn da jemand am Boden gewesen wäre, hätte er verletzt oder gar getötet werden können", sagte ein Ermittler der "New York Times". Daneben wird ihm zur Last gelegt, die Notrutsche beschädigt und sich seiner Verantwortung entzogen zu haben.

Trotzdem hat Slater in den USA die Sympathien auf seiner Seite. "Wie hat er nur geschafft, 20 Jahre durchzuhalten?", schreibt ein Leser beim Magazin "Time". Ein anderer hat Mitleid: "Schade, dass er nun seinen Job verliert. Dabei hat er doch nur gemacht, was wir jeden Tag denken."